Krasser könnte der Gegensatz nicht sein. Während in der Türkei Polizisten im Auftrag von Präsident Erdogan Jagd auf friedliche Bürger und Oppositionelle machen, schützen ihre Kölner Kollegen Demonstranten, die eben diese Unrechtsmaßnahmen bejubeln. Das ist eine starke Lektion in gelebter Demokratie – nur leider dürfte sie bei den Machthabern am Bosporus nicht wirken. Sie scheinen unbelehrbar. Umso wichtiger bleibt, dass Erdogan und seine Anhänger sich zumindest in Deutschland an die hier geltenden Gesetze halten und keine gewaltsamen Konflikte provozieren. Bei der gestrigen Kundgebung in Köln ist dies weitgehend geschehen.

Die Demonstrationen von Befürwortern und Gegnern der türkischen Regierung verliefen im Vergleich zu den Befürchtungen im Vorfeld bis zum Abend relativ friedlich ab. Gleichwohl bleibt erschreckend, dass ein harter Kern von gewaltbereiten Chaoten immer wieder solche Gelegenheiten sucht und für sich nutzt.

Unter dem Strich kann jedoch dank des gelungenen Polizeieinsatzes eine eher positive Bilanz des gestrigen Sonntags gezogen werden. Das ist gut nicht nur für die Kölner Bürger und beteiligten Polizisten sondern auch für alle, die sich um das gesellschaftliche Klima hierzulande Sorgen machen. Denn vielerorts hat sich das Verhältnis zwischen deutschen und türkischstämmigen Mitbürgern seit dem Putsch verändert. Es herrscht oftmals Verunsicherung. Und es gibt zunehmend Gesprächsbedarf – über persönliche Loyalitäten und Einstellungen, über Werte und Demokratieverständnis. Solche Debatten können nur in einem Klima ohne Angst und Gewalt vernünftig geführt werden. Deshalb war es so wichtig, dass die Kölner Polizei von vornherein konsequent versucht hat, mögliche Krawalle von vornherein zu verhindern.

Völlig unverständlich ist dagegen die türkische Kritik am behördlichen Verbot, eine Botschaft von Erdogan per Video auf der Kundgebung zu verbreiten. Auch das Demonstrationsrecht in Deutschland kennt Grenzen, etwa um einen friedlichen Verlauf von Protesten zu gewährleisten. Im Übrigen: Hätten Angela Merkel oder Francois Hollande wohl per Video bei einer vergleichbaren Kundgebung in Ankara oder Istanbul zugeschaltet werden können? Wohl kaum. Allein dies sollte schon die regierungsamtlichen Kritiker aus der Türkei verstummen lassen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)