Endlich mal wieder eine positive Nachricht zu den deutsch-türkischen Beziehungen. Der NATO sei Dank. Die von ihr jetzt geplante Visite von Abgeordneten bei den Bundeswehrsoldaten auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Konya weckt die vorsichtige Hoffnung, dass Ankara vielleicht doch noch vor einem endgültigen Bruch mit Berlin zurückschreckt. Allerdings kann ein solcher Besuch nur ein Anfang sein. Präsident Erdogan muss auch in anderen, noch wichtigeren Punkten einlenken – von Menschenrechtsfragen, Rechtsstaatlichkeit bis hin zur Wortwahl gegenüber Verbündeten.

Danach sieht es bislang leider nicht aus. Umso wichtiger, dass beide Seiten zumindest weiter im Gespräch bleiben. Die NATO kann dabei als Forum, als Vermittlerin dienen. Denn die westliche Allianz ist die Drehscheibe für den militärischen Kampf gegen den Islamischen Staat. Daran beteiligen sich – wenn auch in unterschiedlichem Maße – sowohl Deutschland als auch die Türkei. Erdogan hat ein strategisches Interesse daran, dass dieser Krieg gegen Terroristen gewonnen wird. Insofern verfügt die NATO über genügend diplomatische Druckmittel. Es ist gut, wenn Brüssel diese jetzt zu einem Entspannungsversuch benutzt.

Entscheidend wird sein, ob Erdogan weitere Schritte in Richtung Westen macht. Im Klartext: Entlassung aller willkürlich inhaftierten Ausländer wie etwa des deutschen Journalisten Deniz Yücel, Stopp der Schauprozesse gegen angebliche oder tatsächliche Regimegegner in Istanbul und anderswo, uneingeschränktes Besuchsrecht für deutsche Parlamentarier bei Bundeswehrsoldaten in der Türkei.

All dies sind im Grunde Selbstverständlichkeiten und daher nicht verhandelbar. Doch es wäre unrealistisch, von Erdogan kurzfristig ein komplettes Einlenken zu erwarten. Aber zumindest muss es in diese Richtung gehen – sonst macht auch die jüngste Vermittlung der NATO keinen Sinn.

Heftige Kritik an der maßlosen und undemokratischen Politik Erdogans ist das Eine, kluge Realpolitik gegenüber einem alten Verbündeten ist das Andere. Denn die Türkei bleibt auch unter Erdogan ein wichtiger Partner, nicht zuletzt im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Dies zwingt wie jetzt gelegentlich zu leiseren Tönen im Umgang als einem lieb ist – kurzum zu einer Außenpolitik mit Augenmaß. Mit Anbiederung hat dies nichts zu tun.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)