Jetzt möchte die CSU im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge gar nicht erst nach Europa lassen sondern gleich in Afrika absetzen – eigentlich keine neue Idee in der Union. Doch den Christsozialen geht es in ihrem Strategiepapier auch nicht um Originalität. Die Praktikabilität eines solchen Vorschlags dürfte ebenfalls keine Rolle spielen. Was allein zählt sind Stimmungsmache und Abgrenzung gegenüber der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Die CSU sorgt sich nach dem Erstarken der AfD um ihre bisherige Meinungsführerschaft am rechten demokratischen Spektrum. Und damit um die absolute Mehrheit in Bayern, die sie 2018 bei der Landtagswahl gefährdet sieht.

Deshalb liegen die Nerven blank – düstere Vorzeichen für die Union als Ganzes. Denn im bevorstehenden Bundestagswahlkampf würde es einen denkbar schlechten Eindruck machen, die Kanzlerin mit ständigen Abgrenzungen oder Nörgeleien aus der Schwesterpartei zu konfrontieren. Hier gilt der Spruch: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte – sprich die Kontrahenten von SPD, Linken, Grünen, FDP bis hin zur AfD. Dagegen hilft nur zweierlei: verbale Abrüstung in München und gemeinsames Lösen der Sachfragen.

Entscheidend ist letztlich, dass beide Parteien rasch ein in sich stimmiges Gesamtkonzept erarbeiten, das die Aspekte illegale Einwanderung, Integration und innere Sicherheit berücksichtigt. In diesem Zusammenhang kann und muss auch über mögliche Transitzonen in Afrika und anderswo gesprochen werden. Aber dann wäre dieses Thema eine Sachfrage und kein rhetorisches Geschütz, mit dem die CSU wie jetzt nervös und blind in die politische Landschaft feuert.

Ein solch pragmatisch-konstruktives Vorgehen mag zunächst weniger spektakulär als das Aufwärmen populistischer Einzelforderungen sein. Dafür ist der Nutzen für den Bürger aber ungleich größer. Und das zählt – auch am Tag der Stimmabgabe in Bund und Land.

Oder wollen es die Christsozialen etwa auf den offenen Bruch mit Merkel und der CDU ankommen lassen, einen Bundestagswahlkampf gegen Schwesterpartei und die amtierende Kanzlerin aus der Union führen? Die langfristigen Folgen wären für die CSU-Führung unkalkulierbar – und nicht nur für sie. Deshalb sollte aus Sicht der Unionstrategen im internen Umgang alles für Konsens und Kooperation statt Krawall und Kraftmeierei sprechen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)