Zu teuer, zu beliebig, zu folgenlos: Man mag von Konferenzen im Schlepptau der G-20-Gipfel ja halten, was man will. Aber dies gilt nicht für die Berliner Konferenz zum Thema Frauenrechte. Der Grund hat einen Namen: Ivanka Trump.

Kanzlerin Merkel nutzte die Chance, durch die Einladung an die Präsidententochter neue, persönliche Fäden ins Weiße Haus zu knüpfen. Und das kann angesichts der weiterhin heiklen Beziehungen zu Washington gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn Ivanka Trump gilt als wichtigste Ratgeberin ihres Vaters. Sie dürfte ihm ausführlich von ihren politischen Eindrücken in Berlin berichten – nicht nur über das Konferenzthema im engeren Sinne.

Gewiss, Ivanka Trumps Rolle im Weißen Haus ist mancher Hinsicht sehr bedenklich. Ihre Geschäfte etwa in China könnten zu Interessenskonflikten führen, wenn nicht im streng juristischen dann zumindest im politisch-moralischen Sinne. Doch das dürfte ihr egal sein, zumal der Präsident selbst hier mit schlechtem Beispiel voran geht.

Die Kanzlerin macht klugerweise gute Miene zu diesem anrüchigen Spiel. Denn Angela Merkel muss vorrangig die deutschen Belange im Blick behalten. Und da kann Ivanka Trump nur hilfreich sein. Um alles andere – sprich um politisch und geschäftlich saubere Verhältnisse im Weißen Haus – müssen und können sich die Amerikaner schon selbst kümmern.

Unabhängig davon wirkt die Präsidententochter um einiges politisch moderater und weltoffener als andere Personen im Umfeld Trumps. So hat sie zusammen mit ihrem Ehemann den Einfluss rechtsradikaler Ideologen wie Steve Bannon zurückdrängen können. Das ist weit mehr, als zu Beginn von Trumps Amtszeit erhofft werden durfte. Dies zeigt schon: Ivanka Trump ist nicht zu unterschätzen. Im Gegenteil. Sie zählt mittlerweile dank ihres Vaters zu den mächtigsten Frauen der USA – und das ohne Staatsamt und ohne politische Vorerfahrung.

Und so wie die Präsidententochter jetzt öffentlich redet und auftritt, scheint sie Gefallen an der großen Bühne zu finden. Es sollte daher niemanden überraschend, wenn sie eines Tages selbst für ein Amt oder Mandat in Washington kandidiert – vorausgesetzt, die Präsidentschaft Donald Trumps endet nicht als Desaster. Denn dann wäre auch ihre Karriere beendet, bevor sie so richtig begonnen hat.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)