Keine Frage, der jüngste nordkoreanische Raketentest ist ein Verstoß gegen UNO-Resolutionen. Dies zeigt: Diktator Kim Jong Un schert sich weiterhin nicht um die Sicherheit und Sorgen der Nachbarstaaten und der internationalen Gemeinschaft. Er bleibt damit eine große Gefahr für den Weltfrieden. Aber zwei Aspekte sind dieses Mal neu. Sie wecken die vorsichtige Hoffnung, dass am Ende vielleicht doch ein friedliches Arrangement möglich wird.

Erstens hat Kim nach eigener Darstellung jetzt sein Ziel erreicht, Nordkorea zur Atommacht zu machen. Dies könnte dazu führen, dass aus seiner Sicht weitere Tests vorerst überflüssig werden. Und zum zweiten hat sich Donald Trump bei seiner ersten Reaktion im Ton ungewöhnlich zurückhaltend geäußert. Offenbar scheut der US-Präsident zumindest kurzfristig eine militärische Eskalation – keine Selbstverständlichkeit nach seinen markigen Reaktionen auf frühere nordkoreanische Tests.

Vor diesem Hintergrund gilt es, den politischen und wirtschaftlichen Druck auf Nordkorea fortzusetzen, um am Ende tatsächlich zu einer Verhandlungslösung zu kommen. Das ist der einzige Weg, einen unkontrollierbaren Konflikt zu vermeiden, der nur nicht in Ostasien verheerende Folgen haben könnte. Denn man mag Kim noch so sehr ablehnen und verurteilen: Mit seinen Atompotenzial hat er Fakten geschaffen, die nicht weg zu diskutieren sondern nur weg zu verhandeln sind.

Erfreulicherweise sieht auch China den immer drängenderen Handlungsbedarf. Es ist das einzige Land, auf das Kim aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen Rücksicht nehmen muss. Allerdings leider keine allzu große. Der nordkoreanische Diktator fühlt sich dank nuklearer Aufrüstung mittlerweile mächtig genug, sein wichtigstes Ziel allein zu erreichen: Unangreifbarkeit von außen und damit auch von innen.

Gleichwohl ist die Pekinger Führung noch am ehesten in der Lage, den USA und anderen Staaten diplomatische Kanäle nach Pjöngjang zu öffnen. Je stärker sich Kim fühlt, desto günstiger dürften hierfür die Erfolgsaussichten sein. Insofern könnte der Satz des Diktators, Nordkorea habe sein Ziel Atommacht erreicht, etwas Gutes haben – so zynisch und widersinnig dies auf den ersten Blick auch scheinen mag.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)