Wählertäuschung oder nicht: der angekündigte Parteiaustritt von Frauke Petry so kurz nach der Bundestagswahl bestätigt wieder einmal, wie intern chaotisch und widersprüchlich die Alternative für Deutschland ist. Seriosität sieht anders aus. Denn hier geht keine frustrierte Hinterbänklerin sondern eine soeben erst direkt ins Parlament gewählte Frau, die lange Zeit als Vorsitzende das Gesicht der Partei nach außen war – und dies ausgerechnet nach dem ersten großen Erfolg der Partei auf Bundesebene. Das hat politische Symbol- und Sprengkraft.

Petrys Entschluss mag zunächst noch keine Spaltung der AfD bewirken können. Aber allein schon durch ihr Direktmandat in Verbindung mit medialer Professionalität wird Petry zur dauernden Herausforderung für die Einheit ihrer bisherigen Partei werden.

Erst die bedrückend hohen Gewinne bei der Bundestagswahl, dann der überraschende Verzicht der prominenten Vorsitzenden auf Mitgliedschaft in der neuen Fraktion und einen Tag später der angekündigte Parteiaustritt: Die AfD sorgt für reichlich Schlagzeilen und prägt Diskussionen. Die anderen Parteien wären gut beraten, darauf nicht hektisch oder hypernervös zu reagieren. Denn knapp 13 Prozent der Stimmen bedeuten keine Machtübernahme, und Berlin ist nicht Weimar. So dürfte der jüngste AfD-Erfolg nur eine Episode bleiben, wenn in Berlin künftig sachorientierter und vor allem viel sensibler für die Befindlichkeiten in der Bevölkerung regiert wird. Das ist schwierig aber möglich.

Kurzfristig heißt die Devise für Demokraten: Harte inhaltliche Gegnerschaft und zugleich etwas mehr Gelassenheit bei Tabubrüchen durch die Rechtspopulisten. Keinesfalls sollten Gauland, Meuthen und Co dämonisiert werden. Damit würde man ihnen nur eine Bedeutung beimessen, die sie in den Augen potenzieller Anhänger umso interessanter macht.

Gleiches gilt für die Forderung, ein „Bollwerk“ gegen die Rechtspopulisten zu errichten. Dies wäre eine Defensivstrategie, bei der der Gegner – sprich die AfD – das Heft des Handelns bekäme. Anders herum ist es besser: Selbst die inhaltliche Initiative ergreifen und dem rechten Rand mit bürgernaher Politik systematisch das Wasser abgraben. Alles Weitere könnte man dann getrost braunen Querulanten mit Hang zur politischen Selbstzerstörung überlassen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)