Viel spricht momentan dafür, dass es zu keiner Anklage gegen Donald Trump wegen Behinderung der Justiz oder in der sogenannten Russland-Affäre kommen wird. Die Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller gehen zwar weiter. Aber sie scheinen sich momentan mehr gegen das Umfeld des Präsidenten als gegen ihn selbst zu richten.

Solche Nachforschungen gegen einen Chef des Weißen Hauses sind zwar politisch peinlich, aber in diesem Fall folgenlos. Denn Trump verfährt frei nach dem Spruch „Ist der Ruf erst ruiniert, regiert ´s sich ganz ungeniert“. Und seine Wähler finden dies in Ordnung.

In dieser bedenklichen Einstellung liegt der Kern der Krise, weniger in der Person Trump. Denn ohne eine solch zynische Haltung vieler Bürger wäre Trump eine komische Randfigur geblieben und niemals ins Weiße Haus gelangt. Insofern darf der Blick auf die Person nicht den Blick auf die Probleme verstellen, die ihn erst so groß haben werden lassen.

Über allen steht die generelle Sorge insbesondere der „kleinen Leute“ und weißen Mittelschicht, politisch unverstanden und sozial abgehängt zu sein. Man wolle nicht mehr der Dumme sein, der für andere – sprich Europäer oder Chinesen – die Kastanien aus dem Feuer hole, während diese sich gleichzeitig auf amerikanische Kosten ein feines Leben machten.

So abwegig solche Vorstellungen nach den bisherigen Maßstäben auch klingen mögen: Sie haben politische Wirkung. Immer mehr Amerikaner fühlen sich als Verlierer des technologischen Fortschritts und der globalen Verflechtung. Sie igeln sich ein, um sich vor den vermeintlichen und tatsächlichen Bedrohungen von außen zu schützen. Trumps Parole von „America First“ trifft diese Wagenburg-Stimmung perfekt.

Und solange der Präsident diese Mentalität durch Halbwahrheiten und Hetze weiter befeuert, könnte sie sogar noch zunehmen – eine bedrückende, aber leider sehr realistische Perspektive. Denn sie bedeutet, dass Trumps Amtszeit keine Episode, kein politischer „Betriebsunfall“ wäre, der bei der nächsten Wahl wahrscheinlich rückgängig gemacht würde.

Man kann daher nur hoffen, dass auch die frustrierten Wähler Trumps den Schwindel – eitler Milliardär als Retter des amerikanischen Traums – erkennen, bevor die politische Kultur des Landes vollends ruiniert wird.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)