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Brexit, Trump, Flüchtlingskrise, Europamüdigkeit, gefährdete Rechtsstaatlichkeit in wichtigen Ländern wie Polen oder Ungarn: Die Europäische Union steht momentan vor größeren Herausforderungen als ihr lieb sein kann. Für neue und unzureichend vorbereitete Mitgliedsstaaten vom westlichen Balkan ist da kein Platz.

Serbien oder Montenegro dürfen erst dann in die EU aufgenommen werden, wenn sie alle Kriterien ohne Abstriche erfüllen. Bei den entsprechenden Reformen muss Brüssel zwar im eigenen Interesse helfen. Doch übereilte Beitrittszusagen würden das historische Projekt EU durch Überforderung lähmen – ein idealer Nährboden für Nationalisten und Rechtspopulisten in den anderen Ländern.

Natürlich bleibt es wünschenswert, dass sich alle Staaten, die aus dem früheren Jugoslawien entstanden sind, an den Standards und Spielregeln der EU orientieren. Nur so lässt sich die Region auf Dauer friedlich und demokratisch halten. Die Menschen dort brauchen eine europäische Perspektive, um nicht wieder leichte Beute für Demagogen und Gewalttäter zu werden. Dies ist entscheidend für Sicherheit und Stabilität auf dem ganzen Kontinent.

Man erinnere sich nur an die schrecklichen Balkankämpfe vor gut 20 Jahren. Die damalige Flüchtlingswelle nach Westeuropa gerät wegen der vielen Hilfesuchenden aus Syrien und Nordafrika momentan etwas in Vergessenheit. Gleichwohl muss jetzt alles getan werden, damit sich ähnliches nicht wiederholen kann.

Insofern ist die EU klug beraten, wichtige Staaten wie Serbien und Montenegro fest an sich zu binden. Doch dies geht nur, wenn diese Länder selbst energisch genug mitmachen – konkret: Korruption und Kriminalität noch stärker bekämpfen sowie ihr Land umfassend fit für einen Beitritt machen. Sorgfalt ist hier wichtiger als Schnelligkeit. Sonst drohen politisch gefährliche Transfers von Geld, Arbeitssuchenden und Verbrechen.

Schon jetzt ist die Solidarität unter den bisherigen EU-Mitgliedern arg belastet. Neue Freizügigkeiten inklusive Migration sind deshalb brisant. Sie lassen sich den Bürgern nur zu vermitteln, wenn der Nutzen für sie selbst offenkundig ist und die betreffenden Staaten erkennbar auf gutem Weg sind. Bei Serbien und Montenegro ist dies noch längst nicht der Fall.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)