Donald Trump hat eine dramatische politische Niederlage erlitten. Statt die Gesundheitsreform seines Vorgängers wie versprochen zu beenden, muss der US-Präsident eingestehen, dass ihn die eigenen Leute im Stich gelassen haben. Sein Ruf als cleverer Verhandlungsführer ist stark beschädigt. Das hat weitreichende Folgen für seine weitere Amtsführung. Denn noch eine Schlappe solchen Kalibers kann er sich nicht leisten.

Damit wächst die Chance, dass Trump jetzt endlich das konstruktive Gespräch mit den Demokraten sucht. Dies würde seine künftige Präsidentschaft ein Stück weit normaler und berechenbarer machen – zum Nutzen der USA und auch der internationalen Politik.

Der Präsident hat schmerzhaft erfahren müssen, wie gering sein Einfluss bei den Republikanern ist. Die Mehrheitspartei im Kongress ist in sich gespalten. Loyalität gegenüber dem eigenen Präsidenten spielt eine entsprechend untergeordnete Rolle. Für Trump bedeutet dies, sich jeweils neu um eine Mehrheit für gewünschte Reformen bemühen zu müssen.

Trumps Versprechen, er werde durchregieren und so die USA binnen kürzester Zeit politisch umkrempeln, hat sich spätestens jetzt als Humbug erwiesen. Für den Präsident macht es deshalb keinen Sinn, beim nächsten großen Reformprojekt wieder allein auf die unsicheren Kantonisten in der eigenen republikanischen Partei zu setzen. Im Gegenteil, je mehr Trump das Gespräch mit den Demokraten sucht, desto stärker kommen die aus seiner Sicht widerspenstigen Republikaner unter Druck, sich ebenfalls an einem Kompromiss zu beteiligen.

Der Präsident nicht als Anführer sondern eher schon als Bittsteller unter Parteifreunden – keine angenehme Situation für einen Mann wie Trump, der im sonstigen Leben selbstherrlich und großspurig aufzutreten pflegt. Dabei hatten frühere Präsidenten – wenn auch vielleicht nicht so krass – im Grunde ähnliche Erfahrungen gemacht. Denn in Washington haben weder Weißes Haus noch Kongress die alleinige Macht. Beide sind zur Kooperation und zu Kompromissen gezwungen.

Als nächstes großes Vorhaben steht das Thema Steuersenkung auf Trumps Tagesordnung. Es ist ähnlich komplex und umstritten wie die Gesundheitsreform. Der Präsident darf hier nicht erneut scheitern. Sonst würde er derart massiv an Ansehen und Autorität einbüßen, dass er für den Rest seiner Amtszeit auf verlorenem Posten steht.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)