Was immer auch den jungen Afghanen zu seiner schrecklichen Axt-Attacke in einem Regionalzug letztlich motiviert hat: die Bezüge zum islamistischen Terrorismus sind da. Zumindest wollte er sie nach außen demonstrieren. Denn sonst hätte der 17jährige wohl kaum eine IS-Flagge in seinem Zimmer hinterlassen. Damit bleibt den geschockten Bürgern nur eine Mischung aus Abscheu über die Tat, Mitgefühl mit den Opfern und dem bitteren Gefühl, selbst in der Provinz nirgendwo mehr absolut sicher vor Attentaten zu sein.

So wie Unglücke, gewöhnliche Verbrechen und Naturkastastrophen dürften leider auch Terroranschläge auf nicht absehbare Zeit zum allgemeinem Lebensrisiko in Deutschland gehören. Darauf gilt es sich im Alltag einzustellen. So sollte jeder Bürger künftig noch genauer auf mögliche Gefahrenquellen achten und zugleich Verständnis für dauerhaft erhöhte Sicherheitsmaßnahmen etwa in Verkehrsmitteln oder bei Großveranstaltungen zeigen.

Allerdings darf dies nicht durch Übertreibung in einem allgemeinen Angstgefühl münden. Der bisherige freiheitliche Lebensstil muss hierzulande beibehalten werden. Terroristen dürfen keinesfalls diktieren, wann, wie und wo wir uns gerne aufhalten und bewegen. Mehr Vorsicht ja. Aber auch ein gerüttelt Maß an Gelassenheit gegenüber der neuen Gefahr – beides zusammen scheint momentan für jeden Einzelnen noch die vernünftigste Konsequenz aus der veränderten Lage zu sein.

Auch politisch sollte Ruhe bewahrt werden. Die Sicherheitskräfte verdienen Rückhalt für ihre Ermittlungen und Schutzmaßnahmen. Zu Panik und Hysterie besteht keinerlei Anlass – und auch nicht zu Vorurteilen oder gar neuen Restriktionen gegen Flüchtlinge und Ausländer. Denn das Verbrechen eines Einzelnen darf nicht pauschal auch anderen angelastet werden. Eine solche „Sippenhaft“ würde allen demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien widersprechen. Sie wäre der Todesstoß für unsere Werteordnung und ein politischer Sieg für alle Feinde des Westens. Ein solcher Triumph darf Terroristen nicht gegönnt werden.

Zunächst gilt es, die persönlichen Hintergründe und Kontakte des getöteten Zugattentäters genau zu durchleuchten. Möglicherweise ergeben sich daraus neue Antworten auf die alles überragende Frage: Wie können Menschen von solchen Bluttaten wirksamer abgehalten werden?

(Für Pressekorrespondenz Berlin)