Angela Merkel darf aufatmen. Der CDU-Erfolg im Saarland mindert den Druck auf die Kanzlerin, bereits jetzt den Wahlkampf gegen Martin Schulz offen zu beginnen. Denn ihr SPD-Herausforderer hat beim jüngsten Urnengang einen kräftigen Dämpfer erhalten. Die CDU kann wieder siegen – so das Signal von der Saar. Schulz und die Sozialdemokraten müssen erkennen, dass mehr als ein neues Gesicht und Begeisterung in den eigenen Reihen nötig sind, um Merkel im September zu schlagen.

Damit rücken endlich wieder Inhalte ins Zentrum der Auseinandersetzung. Den Wählern kann eine solche Rückkehr zum Wesentlichen nur recht sein. So ist Schulz bislang Antworten schuldig geblieben, mit wem er eigentlich welche Inhalte umsetzen möchte. Würde er – sofern rechnerisch möglich – etwa auch eine Koalition mit den Linken im Bund eingehen?

Die Vorbehalte in weiten Kreisen der Bevölkerung gegenüber einem rot-roten Bündnis sind beträchtlich. Im Saarland konnte die CDU mit einem solchen „Horror-Szenario“ Punkte sammeln. Will Schulz auch im Bund eine derartige Angriffsfläche bieten? Dies wäre sehr riskant, wie die Landtagswahl vom Wochenende gezeigt hat.

So oder so, die politischen Flitterwochen des SPD-Spitzenkandidaten sind jetzt vorbei. Er muss personell und programmatisch Farbe bekennen. Sonst dürften sich im Bund viele bislang unentschlossene Wähler eher an das Bewährte und Bekannte halten, sprich an Merkel und die Union.

Gleichwohl hat auch die Kanzlerin keinen Grund, sich gelassen und selbstsicher zurückzulehnen. Ihr Berliner Amtsbonus spielte bei der Saarwahl kaum eine Rolle. Das personelle Aushängeschild der CDU war dort eindeutig Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Ministerpräsidentin mobilisierte in beeindruckender Weise CDU-Anhänger und bisherige Nichtwähler – eine Aufgabe, die im Bund vor allem Angela Merkel leisten muss. Wird ihr dies auch dann gelingen, wenn Schulz seine konzeptionellen Hausaufgaben gemacht hat?

Gut möglich, denn die Kanzlerin mag zwar gelegentlich spröde und auch etwas bieder wirken. Doch ihre Bilanz in Berlin kann sich sehen lassen, und in Sachen Timing und Strategie macht ihr so schnell niemand etwas vor.

Kurzum, der Kampf ums Kanzleramt im September ist weiter völlig offen. Sowohl Schulz als auch Merkel haben noch alle Chancen zu gewinnen.

(Für Pressekorrespndenz Berlin)