Die gute Nachricht: Hillary Clinton hat laut Umfragen das Fernsehduell gegen Donald Trump klar gewonnen. Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten wirkte selbstsicher, schlagfertig und inhaltlich souverän. Ihr Kontrahent blieb dagegen eher blass. Mangelnde Kenntnis von Fakten und die Konfrontation mit für ihn peinlichen Zitaten brachten Trump häufig in die Defensive. Das nützt Clinton in ihrem Wahlkampf, zumal Amerikaner gern auf Gewinner – in diesem Fall Gewinnerin –setzen.

So weit so gut. Nur die schlechte Nachricht lautet: Im Grunde sagt all dies wenig aus. Denn Trumps Erfolg entzieht sich den üblichen Politmaßstäben. Damit bleibt auch völlig offen, ob sich Clintons jetziger Etappensieg tatsächlich wie gewünscht in Wählerstimmen ummünzen lässt. Denn Umfragen sind wie Trainingsspiele im Fußball: Ihre Ergebnisse können spannend, ja aufschlussreich sein. Aber sie sagen nichts darüber aus, wer die nächsten Pflichtpartien und am Ende die Meisterschaft gewinnt.

Im Fall Trump kommt noch hinzu, dass er seine wichtigste Klientel in Bevölkerungskreisen hat, die sich erklärtermaßen von der Politik missverstanden, ausgegrenzt oder abgestoßen fühlen. Entscheidend für den Milliardär wird sein, ob er diese Wutbürger zur Teilnahme an den Wahlen motivieren kann. Und da können Aggressionen gegen „die aus Washington“ wichtiger sein als Argumente in einem TV-Duell. Im Klartext: Trump kann noch viel Unsinn reden solange er dabei nur genügend Vorurteile bedient und die Wut seiner Anhänger bis zum Tag der Wahl geschickt befeuert. Diese kalkulierte Irrationalität macht ihn so gefährlich und seine Erfolgsaussichten so unberechenbar.

Gleichwohl gibt es nach dem TV-Duell einen Hoffnungsschimmer für Clinton: die außerordentlich hohe Zuschauerzahl. Trotz der immer wieder behaupteten Politikverdrossenheit interessieren sich die meisten Amerikaner eben doch dafür, wer ihr neuer Präsident wird. Und die Bürger konnten sich erstmals im direkten Vergleich selbst ein eigenes Bild über die beiden Kandidaten machen.

Viele von Trumps Anhängern dürften sich nun möglicherweise fragen ob ihr bisheriger Favorit Anfang November wirklich die richtige Wahl fürs Weiße Haus wäre. Denn Clinton hat im TV-Duell die bessere Figur gemacht. Umso mehr wird Trumps Team jetzt daran arbeiten, dass der Republikaner beim nächsten TV-Duell erfolgreicher abschneidet.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)