Donald Trumps Widersacher in den USA frohlocken: Die Siege der Demokraten bei den Wahlen in New York, New Jersey und vor allem in Virginia sind ein Rückschlag für den Präsidenten und dessen Republikanische Partei. Doch sollten die Ergebnisse nicht überschätzt werden. Trump sitzt weiter fest im Sattel, und die Demokraten stehen erst am Anfang eines grundlegenden Erneuerungsprozesses. Denn bloße Kritik am Präsidenten – so berechtigt sie auch ist – reicht nicht, um den Spuk im Weißen Haus zu beenden.

Nötig ist eine positive und glaubwürdige Botschaft an Trumps Wähler, um diese zumindest teilweise zurück zu gewinnen. Davon sind die Demokraten nach der verheerenden Niederlage von Hillary Clinton im vergangenen Jahr noch um einiges entfernt. Die USA bleiben weiterhin politisch tief gespalten. Dies nutzt Trump skrupellos aus, indem er sich ausschließlich auf seine Klientel konzentriert und sie mit markigen Parolen bei Laune hält. Der Rest der Gesellschaft interessiert ihn nicht.

Diese Strategie aus Hetze und Spaltung hat Trump perfektioniert. Sie führte ihn vor einem Jahr zum Wahlsieg. In drei Jahren könnte sich so etwas durchaus wiederholen, wenn sich die Demokraten nicht endlich wieder auf ihre früheren Stärken besinnen: Sensibilität auch gegenüber Benachteiligten in der unteren Mittelschicht sowie ein klares Konzept für eine bessere soziale Zukunft, an der tatsächlich alle Amerikaner teilhaben können – kurz die Erneuerung des klassischen amerikanischen Traums.

Dieser ist in weiten Teilen des Landes einer Mischung aus Wut und Perspektivlosigkeit gewichen. Trump hat diese explosive Befindlichkeit früher als seine Konkurrenten erkannt und ausgenutzt. Diesen Fehler dürfen die Demokraten in drei Jahren nicht ein zweites Mal machen.

Gleichwohl: Die jüngsten Wahlerfolge bedeuten psychologischen Rückenwind für die Partei von Barack Obama. Es zeigt sich, dass Trump nicht nur in Umfragen sondern auch an den Wahlurnen zu schlagen ist. Und schon im nächsten Jahr wird ein Drittel des Senats und das komplette Repräsentantenhaus neu besetzt – eine ideale Gelegenheit, um Trump weiter zu schwächen. Spätestens dann dürften sich auch die ersten Bewerber für die demokratische Präsidentschaftskandidatur aus der Deckung wagen. Man kann nur hoffen, dass sie sich besser als Hillary Clinton auf die Auseinandersetzung mit Trump einstellen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)