Es ist schon sehr peinlich, dass reihenweise Bewerber bei den Deutschtests im Bundeskriminalamt durchfallen – peinlich für die Kandidaten aber vor allem auch für die Bildungspolitiker und Schulen. Denn junge Menschen sind heutzutage nicht dümmer als vor 20 oder 30 Jahren. Nur werden sie häufig schlechter oder zumindest erfolgloser in Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Das ist ein gefährliches Armutszeugnis für eine Gesellschaft, die zunehmend auch vor internationalen Herausforderungen steht – von wirtschaftlichen bis hin zu polizeilichen und terroristischen.

Gewiss, korrekte Rechtschreibung ist nicht gerade die wichtigste Voraussetzung, um Verbrecher dingfest zu machen. Insofern macht es schon Sinn, wenn das BKA jetzt zunächst einmal die Einstellungsvoraussetzungen im Bereich Deutschkenntnisse „modernisieren“ – sprich herabsetzen – will. Gleichwohl ist das Thema damit nicht erledigt. Denn unzureichende Kenntnisse in einem Fach wie Rechtschreibung können auch ein Indikator für Defizite auf anderen Gebieten sein.

Schon deshalb ist klar: Es besteht Handlungsbedarf. Auch müssten gerade sicherheitsrelevante Behörden wie das BKA ihr Anforderungsniveau für Bewerber im Grunde sogar eher erhöhen statt senken. Grund ist die zunehmende Vernetzung und Komplexität auf Verbrecherseite. Wer internetaffine und international agierende Gangster dingfest machen will, muss entsprechend gut ausgebildet sein. In der Schule werden dafür die Grundlagen gelegt. Fehler und Versäumnisse in dieser Lebensphase lassen sich später nur mühsam wieder ausgleichen. Und obendrein erschweren oder verbauen sie jungen Menschen den angestrebten Berufsweg – siehe die aktuellen Beispiele aus dem BKA. Das gleiche Phänomen melden leider auch Arbeitgeber in anderen Sektoren.

Die Konsequenz für die Politik kann nur lauten: Deutlich mehr Investitionen und Anstrengungen zu Gunsten der schulischen Bildung. Deutschland muss hier künftig im internationalen Vergleich wieder ganz vorne dabei sein. Dies gilt erst recht angesichts der zunehmenden Zahl von Flüchtlingskindern. Deren Bildung und Integration ist eine besondere Herausforderung für Schulen und Lehrer. Hier kann falsch verstandene Sparsamkeit später zu immensen gesellschaftlichen Folgekosten führen – von bitteren menschlichen Frustrationen gar nicht zu reden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)