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So wichtig die von Emmanuel Macron angestoßene Debatte über eine Vertiefung der EU auch ist: Das Thema Erweiterung muss trotzdem auf der Tagesordnung bleiben. Im Fall Türkei dürfte es dazu zwar auf absehbare Zeit nicht kommen. Dafür hat sich das Land unter der Herrschaft von Erdogan zu weit von westlichen Standards und Werten entfernt. Doch für Mazedonien und Albanien gilt das Gegenteil.

Beiden Balkanstaaten werden von Brüssel große Fortschritte in Sachen Demokratie bescheinigt. Ihr Wunsch nach EU-Mitgliedschaft sollte deshalb in konkrete Beitrittsgespräche münden – eine langfristige Perspektive, die zu weiteren Reformen ermuntert und die Stabilität in der Region erhöht.

Ein formeller Beitritt darf allerdings erst erfolgen, wenn alle Kriterien komplett erfüllt sind. Und das wird dauern. Offene Grenzen, uneingeschränkte Reisefreiheit und ungehinderter Warenverkehr können erst am Ende des Reformprozesses gewährt werden. Dazu gehören auch eine Reihe von demokratischen Sicherungen – von freien und politisch unabhängigen Medien, garantierter Rechtsstaatlichkeit bis hin zu einer dauerhaften Korruptionsbekämpfung.

Brüsseler Expertise und Geld kann eine solche Entwicklung entscheidend unterstützen. Die strategisch so wichtige Balkanregion würde sich damit schon kurzfristig stärker am Westen orientieren, statt aktuell russischen oder auch türkischen Einflussversuchen nachzugeben.

Eine solche Investition in die Zukunft liegt im ureigenen Interesse der EU. Denn der Balkan gehört nun einmal traditionell zu den konfliktträchtigsten Teilen des Kontinents. Da heißt es aus EU-Sicht, feste Strukturen und enge Beziehungen aufzubauen, um eventuellen Krisen und potenziellen Abenteurern von vornherein einen Riegel vorzuschieben. Man erinnere sich: Vor gut 20 Jahren herrschte im früheren Jugoslawien noch Krieg, Massaker und andere Gräuel geschahen zuhauf, Hunderttausende flüchteten auch nach Deutschland. So etwas darf sich niemals wiederholen.

Einige Staaten der Region wie Slowenien und Kroatien sind mittlerweile schon in der EU, mit anderen wie Serbien und Montenegro wird aus guten Gründen bereits verhandelt. Diese Chance sollten auch Albanien und Mazedonien als Hilfe zur Selbsthilfe bekommen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)