Die blutig beendete Geiselnahme bei Paris ist zuallererst eine menschliche Tragödie. Ein Polizist und seine Partnerin wurden getötet, ein kleiner Junge muss künftig ohne seine Eltern aufwachsen. Eine solche Mordtat ist durch keinerlei Ideologie zu rechtfertigen, auch wenn der Täter dies vor seinem eigenen Tod versucht hatte. Dass er seine Opfer zudem noch filmte, ist ein Gipfel an Perversion. Die Franzosen, ihre Freunde und ihre Gäste bei der Fußball-EM sind zu Recht geschockt. Doch die berechtigte Sorge um die Sicherheit darf nicht in lähmende Angst oder Panik münden. Denn dann hätten die Terroristen gesiegt.

Noch sind die Hintergründe des Attentats von Maganville nicht völlig klar. Dies zeigen die Festnahmen weiterer mutmaßlicher Mittäter oder Unterstützer. Auch die Person und das Profil des erschossenen Mörders müssen noch weiter beleuchtet werden. Insbesondere stellt sich Frage, ob die Bluttat mit schärferen Sicherheitsmaßnahmen hätte verhindert werden können. Immerhin war der Täter wegen islamistischer Aktivitäten schon einmal im Gefängnis.

Doch sollte sich niemand täuschen: Selbst noch so gute Polizeiarbeit bietet keinen absoluten Schutz. Das zeigen allein schon Ort und Opfer von Magnanville: Eine sonst eher ruhige Gegend am Rand der Großstadt und zwei Menschen, die weder besonders prominent noch einflussreich waren. Nimmt man dies zum Maßstab, könnte es Millionen andere Bürger auch jederzeit treffen.

Entscheidend ist daher, sich das normale Lebensgefühl nicht von Terroristen diktieren zu lassen. Bei aller Trauer und allem Mitgefühl mit den Opfern muss der Alltag halbwegs normal weitergehen. Dies gilt auch für die Fußball-Europameisterschaft. Je weniger die Politverbrecher den Gang des öffentlichen Lebens verändern können, desto besser.

Gleichzeitig muss die französische Politik endlich umsteuern. So wuchs der Mörder von Magnanville in einer sozialen Brennpunktsiedlung bei Paris auf. Andere Terroristen haben einen ähnlichen Hintergrund. Offenkundig hat sich dort ein gefährlicher Nährboden für islamistische Parolen gebildet. Dagegen muss sich der Staat viel stärker als bisher sozial engagieren, insbesondere mit der Schaffung von mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Das wirkt zwar nur langfristig. Aber auch der Terrorismus ist leider kein Phänomen, das von heute auf morgen verschwinden wird.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)