Und wieder einmal sorgt Donald Trump für Erstaunen. Dieses Mal allerdings ausnahmsweise positiv. Die Ernennung von General McMaster zum Nationalen Sicherheitsberater wird selbst von entschiedenen Gegnern des neuen US-Präsidenten gelobt. So bescheinigt Trumps parteiinterner Widersacher Senator McCain dem neuen Sicherheitsberater „Intellekt, Charakter und Talent“. Dies lässt hoffen, dass die amerikanische Außenpolitik ein Stück weit berechenbarer als zunächst befürchtet wird.

Gewiss die entscheidende Figur im Weißen Haus bleibt kraft Amtes der Präsident. Und dessen dubioses Demokratieverständnis ist gepaart mit Nationalismus und politischer Unerfahrenheit. Trump dürfte sich in dieser Hinsicht auch kaum grundlegend ändern wollen und können. Schließlich handelt es sich um sein ganz persönliches Erfolgsrezept, das ihm Reichtum beschert und an die Spitze des Staates gebracht hat. Doch immerhin bildet sich allmählich ein Apparat um den Präsidenten, der zumindest in Teilen den üblichen professionellen Anforderungen genügt.

McMaster gehört in diese Riege von seriösen Profis. Er hat ganz offenkundig große Kompetenz und Erfahrung. Bloße Jasager und Erfüllungshelfer sehen anders aus. Bei aller sonstigen Kritik: Es spricht für Trumps Souveränität, dass er sich freiwillig mit Mitarbeitern solchen Kalibers umgibt. Selbst wenn Profis wie McMaster oder auch Verteidigungsminister Mattis nicht sofort in den innersten Kreis des Präsidenten aufrücken, so haben sie doch viele Einflussmöglichkeiten.

Für Europa und speziell Deutschland ist dieser Ansatz von Normalität eine erfreuliche Entwicklung. Die neue amerikanische Regierung bekommt nun etwas vertrautere Konturen, der erste Schrecken nach dem Machtwechsel beginnt sich aufzulösen. Gleichwohl: Verlassen sollte sich niemand auf die neuen Washingtoner Gesichter. Trump kann jederzeit wieder aus heiterem Himmel umsteuern. Er ist der Typ dafür.

Dies bedeutet für die europäischen Partner in EU und NATO, sich wesentlich stärker als bisher auf die eigenen Kräfte zu besinnen. Das wird teuer und anstrengend. Und es zwingt zu mehr Zusammenarbeit. Denn einzeln ist selbst ein so großes Land wie Frankreich oder Deutschland gegenüber der Supermacht USA in einer viel zu schwachen Position. Ursache dieser Entwicklung ist nicht Trump. Eine solche Zeitenwende im europäisch-amerikanischen Verhältnis stand seit längerem bevor. Sie wäre auch bei einem Wahlsieg von Hillary Clinton zu erwarten gewesen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)