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War alles nur ein kleiner Versprecher? Donald Trumps Erklärung für seine negativen Äußerungen über die eigenen Geheimdienste klingt völlig unglaubwürdig. Immerhin befand sich der US-Präsident nicht irgendwo auf einer Wahlkundgebung im Mittleren Westen, sondern beim Gipfeltreffen mit dem Kremlchef. Da darf man von Trump schon erwarten, dass er seine Worte wägt und weiß was er sagt – oder sich zumindest im Fall eines Falles sofort und eindeutig korrigiert. Denn die politische Empörung über sein Verhalten kann Trump unmöglich entgangen sein. Dafür hat er zu viele Berater und Informationskanäle, die ihn ständig auf dem Laufenden gehalten.

Erst als die Wellen der Kritik auch in den eigenen Reihen immer höher schlugen, bemühte sich der Präsident um Schadensbegrenzung. Doch versah er sein Eingeständnis, dass es russische Einflussnahmen im Wahlkampf gegeben habe, sogleich wieder mit einer Hintertür: Es könnten ja auch andere gewesen sein. Das Dementi von Wladimir Putin und die jüngste US-Anklageschrift nach Ermittlungen des FBI gegen russische Staatsbürger haben für Trump offenbar den gleich Rang an Plausibilität und Glaubwürdigkeit. Es steht damit wieder Aussage Putin gegen Aussage Geheimdienste. Dies ist abenteuerlich.

Auch bei zuletzt immer noch zaudernden Republikanern sollten jetzt endlich die Alarmglocken schrillen. Die bisherige partei- und wahltaktische Rücksichtnahme von vielen Senatoren und Abgeordneten muss aufhören. Denn dieser Präsident wird immer mehr zum nationalen Sicherheitsrisiko – von seiner zerstörerischen Wirkung auf die internationale Ordnung ganz zu schweigen. Es wird höchste Zeit, dass der Kongress ihn durch gesetzgeberische Vorgaben politisch an die kurze Leine nimmt. Dies ist etwa in Sachen NATO und Sanktionen gegen Russland ohne weiteres möglich.

Gleichwohl: Solange Trump im Amt verbleibt, behält er weitreichende Kompetenzen insbesondere in den Bereichen Militär und Außenpolitik. Hier kann er auch künftig großen Schaden anrichten. Entscheidend stoppen lässt sich dieser Präsident eben nur durch Amtsenthebung oder Abwahl – beides ist momentan noch nicht in Sicht. Aber in Sachen Trump geschah immer wieder bislang Unvorstellbares. Vielleicht ja auch hier einmal im positiven Sinne…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)