Die ersten Ankerzentren für Asylsuchende, die jetzt in Bayern ihren Betrieb aufgenehmen, müssen nun ihren Praxistest bestehen. Denn in der Theorie klingt die dort angestrebte Kooperation von Bund, Land und Kommunen zwar gut. Aber welche Nebenwirkungen gibt es? Werden die Verfahren dadurch tatsächlich effektiver? Und wie lange werden sich wie viele Migranten in solchen Einrichtungen künftig aufhalten? Drohen womöglich gar überfüllte Lager mit entsprechenden Akzeptanzproblemen in der benachbarten Bevölkerung?

Die Skepsis in anderen Bundesländern über den CSU-Weg ist vor diesem Hintergrund verständlich. Sie kann nur durch handfeste Erfolge beseitigt werden. Allerdings dürfte es einige Zeit dauern, bis belastbare Zahlen und Erfahrungen aus den neuen Ankerzentren vorliegen.

Fallen sie wie erhofft positiv aus, sollte das Modell bundesweit übernommen werden. Denn alle Beteiligten müssen ein hohes Interesse an möglichst zügigen und zugleich rechtsstaatlich korrekten Entscheidungen haben: die Asylsuchenden, weil sie dann früher Klarheit über ihre persönliche Zukunft bekommen; die Wirtschaft und die übrigen Gesellschaft, weil die kostspielige Warterei von chancenlosen Antragstellern verkürzt wird. Entsprechend früher könnten – je nach Fall – Rückführungen oder die Integration in den Arbeitsmarkt erfolgen.

Dass die CSU die neuen Ankerzentren ausgerechnet sechs Wochen vor der Landtagswahl etabliert, ist gewiss kein Zufall. Auch mit dieser Maßnahme wollen die Christsozialen ihre Entschlossenheit unterstreichen, die Zahl der Flüchtlinge zu verringern. Die AFD soll beim Thema Asyl möglichst geringe Angriffsflächen bekommen. Innenminister Horst Seehofer hatte deswegen sogar einen Bruch der Berliner Koalition riskiert – eine Strategie, die der CSU laut Meinungsumfragen nicht gut bekommen ist.

Ministerpräsident Markus Söder hat prompt reagiert. Er schlägt wieder moderatere Töne an. Auch seine zuvor öffentlich gezeigte Begeisterung über die neuen Ankerzentren hat mittlerweile nachgelassen – verständlich, denn deren Wert als möglicher Joker im Wahlkampf ist deutlich gesunken.

Den Bürgern kann diese Rückkehr zur Nüchternheit nur Recht sein. Schließlich wächst damit die Chance, dass die spätere Bilanz nach rein sachlichen Kriterien und nicht unter parteipolitischer Brille erfolgt.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)