Die Reise nach Genf zu den Syriengesprächen hätte sich US-Außenminister Kerry sparen können. Die Verhandlungen haben nichts gebracht. Im Gegenteil: Präsident Putin kann im Schatten der Alibi-Gespräche die Bombenangriffe gegen Aleppo hemmungslos fortsetzen. Er gewinnt Zeit, um militärische Fakten zu schaffen. Bezeichnend hierfür, dass sich der einzige russische Flugzeugträger jetzt auf den Weg ins Mittelmeer macht. Das ist ein klares Signal der Eskalation und nicht der Entspannung.

Und was machen die Europäer? Sie warnen und warten. Nicht einmal auf verschärfte Sanktionen gegen Moskau konnten sie sich bislang einigen – ein Trauerspiel. Putin hat damit in Syrien freie Hand. Und die macht er sich blutig, um den Einfluss seines Landes in der Region zu steigern. Das Leiden und das Sterben in Aleppo interessieren ihn dabei wenig. Angriffe auf Krankenhäuser und Hilfskonvois sind für Russen und die Truppen Assads kein Tabu mehr. Damit werden Kriegsverbrechen ganz offen in den Dienst der Machtpolitik gestellt.

Ein solcher Rückfall in die Barbarei ist ein schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht. Doch als Großmacht mit Veto-Recht im Weltsicherheitsrat scheint Russland momentan zu glauben, es könne sich international alles erlauben – jedenfalls wenn man Putins Taten zum Maßstab nimmt. Zynisch nutzt der Kremlchef das aktuelle Machtvakuum in Washington aus. Dort zeigt sich Präsident Obama kurz vor Ende seiner Amtszeit außenpolitisch rat- und mutloser denn je. Der Friedensnobelpreisträger von 2009 steht sieben Jahre später vor dem Scherbenhaufen der von ihm erhofften neuen, friedlichen und gerechten Weltordnung.

Gewiss, eine militärische Konfrontation mit Russland wäre für den Westen in Syrien viel zu riskant. Sie könnte allzu schnell außer Kontrolle geraten. Die Folgen wären dann verheerend. Gleichwohl sollten die politischen und wirtschaftlichen Kosten für Putin deutlich erhöht werden. Seine Bombenangriffe auf Aleppo dürfen nicht länger zum Nulltarif erfolgen können. Weitere Sanktionen sind daher das Gebot der Stunde. Nur so kann der Westen angesichts der dramatischen Kämpfe in Syrien noch halbwegs moralisch glaubwürdig bleiben – sofern das angesichts seiner bisherigen Tatenlosigkeit überhaupt möglich ist.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)