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Für viele Bürger sei das örtliche Krankenhaus ein Stück Heimat, hat Gesundheitsminister Spahn kürzlich gesagt. Damit hat er vermutlich Recht. Doch dies ist kein Grund, die jüngsten Bertelsmann-Vorschläge zur drastischen Verringerung der Krankenhäuser als politisch weltfremd abzutun. Denn noch wichtiger als Nähe und Heimatgefühl dürfte für die allermeisten Patienten im „Fall des Falles“ die Qualität ihrer medizinischen Versorgung sein.

Und in dieser Hinsicht haben die Autoren der Studie durchaus gute Argumente auf ihrer Seite. Die Politik insbesondere auf Landes- und Bundesebene sollte sie für jede einzelne Region und jedes Krankenhaus sorgfältig prüfen. Denn selbstverständlich kann bei einem solch sensiblen Thema nicht rein schematisch vorgegangen werden nach dem Motto: Jede zweite Klinik wird geschlossen.

Oberstes Kriterium muss vielmehr die medizinische Leistungsfähigkeit im Dienste der Patienten sein. Dazu gehört ausreichend Personal, hohe Spezialisierung, modernste Ausstattung und – ganz wichtig – Erfahrung durch eine entsprechend große Anzahl von durchgeführten Therapien oder Operationen. Auch die gute Erreichbarkeit ist ein wichtiges Kriterium, vor allem in akuten Notfällen, wo jede Minute zählt. Doch auch hier ist im Einzelfall abzuwägen: Besser in 20 Minuten in das erstbeste Krankenhaus oder sinnvollerweise doch lieber in die wirklich beste, etwas weiter entfernte Klinik fahren?

Klar bleibt in jedem Fall: Alle Operationen, die einen längeren zeitlichen Vorlauf haben, müssen nicht zwangsläufig in der „Heimat“ – sprich im nächstgelegenen Krankenhaus – durchgeführt werden. Stattdessen sollte hier die zu erwartende Qualität der medizinischen Leistung den Ausschlag geben. Allerdings liegt auch hier der Teufel im Detail. Denn was nützt schon die perfekte Operation und Behandlung, wenn eine anschließend erforderliche Nachsorge aufgrund der räumlichen Distanz zum Wohnort des Patienten problematisch wird.

So oder so: Eine stärkere Konzentration und Spezialisierung von Krankenhäusern kann im Interesse der Patienten durchaus vernünftig sein – jedoch nur, wenn sie nicht als politisches Alibi für bloße Einsparungen genommen wird. Denn weniger, aber dafür personell und technisch besser ausgestattete Krankenhäuser müssen unter den Strich nicht automatisch billiger werden als die jetzige Versorgung.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)