Ob Nordkoreas Atomprogramm, Krieg in Syrien oder die Rolle der NATO: Donald Trump ändert seinen Kurs bei brisanten weltpolitischen Themen in atemberaubender Geschwindigkeit. Was der neue US-Präsident gestern noch verharmlost, verteufelt oder verspottet hat, kann einen Tag später urplötzlich wieder höchste Priorität für ihn und die USA bekommen. Das reicht von wirtschaftlichen Maßnahmen bis hin zum massiven Militäreinsatz.

Ist diese überraschende Entwicklung nun der von einigen Optimisten vorhersagte natürliche Lernprozess, den jeder US-Präsident zu Beginn seiner Amtszeit durchlaufen muss? Oder zeigt sich hier bereits die neue Normalität. Wird Unberechenbarkeit die nächsten vier Jahre im Weißen Haus prägen?

So oder so: in jedem Fall sind Tempo und Radikalität von Trumps Kurswechseln beunruhigend, ja gefährlich. Denn die Knöpfe zum Einsatzbefehl für amerikanische Bomber und Raketen sind kein Spielzeug für große Jungs, die einmal in ihrem Leben Präsident spielen wollen. Vielmehr geht es hier um Entscheidungen über Leben oder Tod, die auch in anderer Weise das Schicksal von Millionen Menschen bestimmen können. Angesichts dieser Dimension ist es zwingend, dass ein US-Präsident für Freund und Feind verlässlich einschätzbar bleibt. Denn nur so lassen sich Fehldeutungen vermeiden, die in einer von allen Seiten ungewollten Katastrophe enden können.

Gewiss, manche der jüngsten Meinungsänderungen Trumps sind zu begrüßen, etwa zur NATO oder auch zu China. Hier scheint nach dem Wahlkampfgepolter wieder Realismus ins Weißen Haus einzukehren. Doch wer mag garantieren, dass diese Rückbesinnung auf Vernunft mehr als eine Woche Bestand hat? Kaum jemand. Und genau dies ist der Kern des Problems. Was immer Trump in diesen Tagen auch macht oder lässt: es wirkt spontan und beliebig – im besten Falle wie Glückstreffer eines umtriebigen aber unqualifizierten Amateurs.

Umso wichtiger ist es für die europäischen Verbündeten, einen möglichst kurzen Draht zur neuen US-Regierung zu finden. So lassen sich die eigenen Erfahrungen und Interessen am ehesten in brisante Entscheidungsprozesse einbringen, bevor Trump auf seine – freundlich formuliert – unkonventionelle Weise gefährliche Fakten auch zu Lasten der Europäer schafft.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)