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Die Politik müsse mehr tun, um das Leben auf dem Dorf attraktiver zu machen, forderte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier jetzt im ARD-Fernsehen. Recht hat er. Denn viele Probleme einer zunehmend anonymeren und gedrängteren Lebensweise, unter denen gerade die Großstädte leiden, könnten durch bessere Bedingungen auf dem Land gemildert wenn nicht gar gelöst werden. Man denke hier nur an Wohnungsmangel, Verkehrschaos und die bedrückende Tatsache, dass viele Städter nicht einmal ihre unmittelbaren Nachbarn kennen.

Für die Politik bietet sich hier ein breites Aufgabenspektrum in den Bereichen Soziales, Bildung bis hin zu allgemeiner Infrastruktur. Entscheidend sind dabei zweierlei: Mehr qualifizierte Arbeitsplätze und eine möglichst gute Anbindung an die wirtschaftlichen Kraftzentren – durch schnelles Internet und durch einen eng getakteten öffentlichen Nahverkehr für Pendler.

Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land muss gewahrt werden. Sonst entstehen tiefe gesellschaftliche Gräben, die auf Dauer auch die politische Stabilität der gesamten Republik gefährden. Wer sich abgehängt fühlt, könnte allzu leicht versucht, radikalen Sprücheklopfern zu folgen. Der Erfolg von Donald Trump in den USA sollte hier Warnung genug sein.

Natürlich kann die Politik nicht jedes strukturell sterbende Dorf durch mehr Geld zu neuer Blüte verhelfen. Aber oft reichen schon kleinere Verbesserungen, um einen Niedergang zu stoppen. Voraussetzung ist gutes bürgerliches Engagement vor Ort nach der Devise: Hilfe zur Selbsthilfe.

Eine Schlüsselrolle hat dabei die Finanzausstattung der Kommunen. Gerade die kleineren Gemeinden müssen in die Lage versetzt werden, Probleme möglichst eigenverantwortlich und unbürokratisch zu lösen. Denn sie sind nah dran und wissen daher am besten, wo Geld am dringendsten fehlt. Und jeder Dorfbewohner, der auf diese Weise in seiner Heimat wohnen bleiben will und kann, mindert den Zuwanderungsdruck auf die überlasteten Städte – ein Gewinn für alle.

Bei alledem darf jedoch nicht der Eindruck entstehen, dass Leben auf dem Land generell schwieriger als Wohnen in der City sei. Im Gegenteil: Zumeist niedrigere Preise, weniger Verkehr, mehr Zusammenhalt, saubere Natur – alles Pluspunkte, von denen viele Städter nur träumen können…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)