Im Atomkonflikt mit Nordkorea wird der Weltsicherheitsrat seinem anspruchsvollen Namen wieder einmal nicht gerecht. Seine Debatten und Beschlüsse zu Sanktionen gegen das Kim-Regime haben praktisch nichts bewirkt. Mehr noch: Man gewinnt zunehmend den Eindruck, dass sie nur von der eigentlich zentralen Frage ablenken: Wie könnte eine Verhandlungslösung aussehen?

Statt endlich darüber zu reden und entsprechende Signale an Kim zu senden, wird weiter langatmig über weitere Strafmaßnahmen diskutiert. Das ist zwar politisch korrekt aber praktisch nutzlos. Denn jedem dürfte mittlerweile klar sein, dass sich die nordkoreanischen Gewaltherrscher keinerlei Druck von außen beugen werden. Lieber lassen sie ihr Volk hungern und noch mehr darben. Diese menschenverachtende Rücksichtslosigkeit haben sie schließlich schon mehrfach bewiesen. Anders hätten sie ihr kostspieliges und technisch anspruchsvolles Atomprogramm niemals durchführen können.

Amerikaner, Europäer, Chinesen, Russen – alle sind sich einig, dass das Verhalten Nordkoreas eine gefährliche Bedrohung für Frieden und Stabilität bedeutet. Das ist eine gute Voraussetzung, um die Krise politisch beizulegen. Allerdings müssten dann alle Akteure auch tatsächlich an einem Strang ziehen, statt sich gegenseitig im Weg zu stehen. So plädieren Moskau und Peking momentan am stärksten für diplomatische Initiativen. Washington und Brüssel sind gut beraten, sie dabei nach Kräften zu unterstützen.

Denn man mag es ja noch sehr bedauern und beklagen, aber es nun einmal Fakt: Nordkorea ist zur Atommacht geworden, mit der man sich notgedrungen auf die eine oder andere Weise arrangieren muss. Militärisches Vorgehen wäre schlichtweg zu riskant, und wirtschaftlicher Druck ist im Fall Kims nur ein Schauspiel für die Galerie: Gut fürs Gemüt, nutzlos für den Alltag.

Doch leider gibt es da ein Problem, das alles unkalkulierbar macht. Sein Name: Donald Trump. Dessen Rhetorik ist kriegerisch und lässt befürchten, dass der Präsident unter Umständen den US-Streitkräften doch einen recht spontan gefassten Angriffsbefehl erteilen könnte. Damit es dazu nicht kommen kann, gilt es schnellstens Fakten zu schaffen, indem mit Kim ohne Vorbedingungen und Tabus verhandelt wird. Im Weltsicherheit sollten dafür jetzt die Weichen gestellt werden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)