Die bundesweiten Razzien wegen der Krawalle beim Hamburger G20-Gipfel sind grundsätzlich zu begrüßen. Derartige Straftaten aus der linken Szene müssen konsequent geahndet werden. Allerdings wirkt es befremdlich, dass die Behörden fünf Monate bis zu den Durchsuchungen verstreichen ließen. In dieser Zeit dürften die meisten gerichtsfesten Beweismittel längst beseitigt worden sein.

Dies gilt erst recht angesichts des Verdachts, dass die damaligen Ausschreitungen logistisch über Monate systematisch vorbereitet wurden. Wer so viel politisch-kriminelle Energie wie die Chaoten der G20-Krawalle entwickelt, dürfte gewiss auch bei der „Nachbereitung“ entsprechend gründlich gewesen sein, sprich: die meisten Spuren schon verwischt haben. Insofern wird sich erst später vor Gericht zeigen, wie erfolgreich die jüngsten Razzien unter juristischen Aspekten tatsächlich gewesen sind.

Gleichwohl muss für die Behörden gelten: Besser spät als überhaupt nicht durchgreifen. Denn die heftigen Ausschreitungen am Rande des Hamburger G20-Gipfels haben nicht nur die betroffenen Einwohner der Hansestadt empört und tief verunsichert. Der Staat schien über Stunden auf Tauchstation gegangen zu sein. Militante Linksradikale beherrschten Straßen, attackierten Polizisten und zündeten Autos an. Solche Bilder dürfen sich nicht wiederholen – weder in Hamburg noch in einer anderen deutschen Stadt. Dies geht aber nur, wenn auch die Unterstützer der Straftäter endlich stärker zur Rechenschaft gezogen werden.

In Hamburg gab es laut Polizei eine regelrechte Arbeitsteilung: Die einen bereiteten die Gewaltaktionen logistisch vor, die anderen verübten sie. Beides ist gleichermaßen verwerflich und muss entsprechend hart sanktioniert werden. Deshalb sollte auch die politische Schonfrist für autonome Zentren enden, die die Gewalttäter in der einen oder anderen Form unterstützt haben. Man denke hier etwa an die Rote Flora im Schanzenviertel, deren Bewohner sich während des G20-Gipfels besonders unrühmlich hervor getan haben. Es ist ein Skandal, dass der Senat trotzdem immer noch seine schützende Hand über das autonome Zentrum hält.

Egal ob von rechts oder links: Gewalt muss in jedem Fall strikt unterbunden werden. Deshalb sollten Politiker und Behörden – ungeachtet eventueller weiterer Razzien – nicht zögern, den möglichen Brutstätten der Sympathisantenszene schon beim bloßen Verdacht jegliche ideelle und finanzielle Unterstützung zu entziehen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)