Nur ein Politiker sorgt in diesem Bundestagswahlkampf bei seinen wenigen Auftritten stets für Schlagzeilen und volle Säle: Karl-Theodor zu Guttenberg. Viele sehen in ihm schon wieder den großen Hoffnungsträger der Union nach einem Ende der Merkel-Ära, wann immer diese auch beginnen mag. Und in der CSU blicken die Parteioberen mit einer Mischung aus Hoffnung und Sorge auf den früheren Verteidigungsminister als möglichen Seehofer-Nachfolger.

KTG, wie er auch genannt wird, hüllt sich derweil zu seinen Plänen noch in Schweigen. Doch hat er nach seiner Betrugsaffäre überhaupt eine zweite politische Chance verdient?

Die Antwort ist ja. Guttenberg hat eine lange Auszeit genommen, nachdem ihm der erschlichene Doktortitel zum politischen Verhängnis geworden war. Und er hatte sich – nach einigem Hin und Her – schließlich klar zu seinem schweren Fehler bekannt und sich dafür öffentlich entschuldigt. Mehr darf nicht erwartet und verlangt werden, um einem Politiker die Möglichkeit zur Rückkehr zu geben.

Und immer mehr Bürger wollen auch, dass Guttenberg wieder die große Bühne betritt. Er verkörpert für sie einen Antityp zum herkömmlichen Berufspolitiker und profitiert so von den wachsenden Ressentiments gegen die klassischen Parteien. Damit wird Guttenberg zu einer Gefahr für die vielen Populisten, die derzeit am rechten und linken Rand auf Stimmenfang gehen. Denn der CSU-Politiker kann Bürger ansprechen, die sonst mit dem demokratischen Prozess wenig zu tun haben wollen.

Dies mag auf den ersten Blick heikel wirken. Doch besser Guttenberg erreicht solche Menschen als irgendein „Volkstribun“ ganz anderen Schlages. Denn man mag ja von ihm politisch und persönlich halten, was man will: An seiner Treue zu Demokratie und Rechtsstaat kann es keinen Zweifel geben. Umso besser in unsicheren Zeiten – Stichwort AfD oder Pegida -, einen solchen charismatischen Politstar auf der eigenen freiheitlichen Seite zu haben als rechten Populisten das Feld überlassen zu müssen.

Noch ist ungewiss, ob Guttenberg tatsächlich zu einem Comeback bereit ist. Er könnte sich auch ein leichteres Leben machen. Doch falls er antritt – egal ob in Berlin oder München – , wäre dies nur zu begrüßen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)