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Egal, wie Großbritannien und EU das Thema Brexit letztlich regeln werden: Der Schaden für beide Seiten ist schon jetzt immens. Vor allem die Briten stehen vor einem Scherbenhaufen. Dabei sind es nicht nur die unkalkulierbaren wirtschaftlichen Risiken, die Sorge bereiten. Noch schlimmer ist die politisch-moralische Bankrotterklärung der Verantwortlichen in London. Diese haben leichtfertig mit der Zukunft des Landes gespielt. Das war verantwortungslos. Und nun erweisen sich Parlament und Regierung obendrein noch als inkompetent und phantasielos. Katastrophaler geht es kaum.

Nutznießer der verfahrenen Situation sind Populisten jeglicher Couleur, die den Bürgern das Blaue vom Himmel versprechen – ein Desaster für die politische Kultur des noch Vereinigten Königreichs. Denn jede gefundene Lösung wird zwangsläufig von deren Gegnern angefeindet werden, sei es als angeblichen Verrat am Brexit-Votum, sei es als Selbstverstümmelung in Sachen Wohlstand und europäischer Freizügigkeit. Vernunft und Augenmaß haben in einem solch vergifteten Klima einen schweren Stand.

Vor allem um die junge Generation in Großbritannien kann einem da schon angst und bange werden. Denn ihre beruflichen und wirtschaftlichen Perspektiven mit und in Europa spielen in den Debatten kaum noch eine Rolle. Stattdessen wird von nationaler Autonomie und einstiger Rolle als Großmacht fabuliert, als ob das britische Empire nicht längst Geschichte wäre.

Die Freunde und Partner in der EU sehen dem Ganzen mit Fassungslosigkeit zu. Ihnen sind die Hände gebunden. Denn die Briten haben sich selbst in diese Krise gebracht. Sie müssen auch selbst für die Folgen gerade stehen.

Hilfe von außen ist praktisch nicht mehr möglich. Erst wenn sich die Bewohner des Inselreichs klar werden, was sie wirklich wollen, kann es gemeinsame Lösungsversuche geben. Wie erfolgversprechend diese sein können, steht angesichts der tiefen politischen Spaltung in Großbritannien auf einem anderen Blatt. Denn ob Theresa May oder ein möglicher Nachfolger – Londoner Premierminister werden auf längere Zeit auf internationaler Bühne einen wesentlich schweren Stand als früher haben.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)