Gewehre und Grenadiere reichen längst nicht mehr aus, um ein Land wirksam vor Angriffen von außen zu schützen. Das Internet ist zum neuen Schlachtfeld geworden. Dafür war die Bundeswehr bislang kaum gerüstet. Die jetzt geschaffene Teilstreitkraft zur Abwehr von Cyber-Angriffen ist daher ein Schritt in die richtige Richtung.

Doch der Weg zu einer schlagkräftigen Truppe, die weltweit operierenden Hackern alle Zugänge in deutsche Kommandozentralen oder Militärgeräte versperren kann, ist noch weit. Ministerin von der Leyen steht hier vor gewaltigen Herausforderungen: Von der Klärung heikler verfassungsrechtlicher Fragen bis hin zur Gewinnung hochqualifizierten Personals.

Denn natürlich reicht es nicht, die neue Teilstreitkraft nur demonstrativ auf eine Organisationsstufe mit traditionsreichen Gattungen wie Heer oder Marine zu stellen – so wichtig dies fürs interne Renommee der Truppe auch sein mag. Auch die Eingliederung von bereits vorhandenen Fernmeldesoldaten oder Fachleuten für Geodaten ist eher zweitrangig. Entscheidend wird sein, ob die Bundeswehr zukünftig IT-Experten der Spitzenklasse für den Dienst in Uniform gewinnen kann.

Mit Mittelklasse-Personal – und das noch in zu geringer Zahl – lassen sich keine feindlichen Hacker der Spitzenklasse abwehren. Die Bundeswehr muss hier auf Augenhöhe mit ihren Gegnern voll einsatzbereit sein. Denn die Risiken bei einem Versagen sind enorm – von Erpressbarkeit bis hin zu sehr realen Katastrophen.

Allerdings sind Experten gegen Hackerangriffe auch in der privaten Wirtschaft heiß begeht. Sie erhalten dort wesentlich mehr Geld als im öffentlichen Dienst. Hinzu kommen die Zwänge der Bürokratie. Und das generelle Image der Truppe ist bei jungen IT-Freaks auch nicht das Beste. All dies könnte dazu führen, dass die Bundeswehr am Ende in Sachen Cyberabwehr ein Papiertiger bleibt. Das wäre fatal und Verschwendung von Steuergeldern.

Die neue Teilstreitkraft der Bundeswehr muss ein Erfolg werden. Dafür braucht es passendes Spitzenpersonal. Deshalb sollten im Notfall auch andere im Ausland bewährte Modelle kein Tabu bleiben: Mitarbeiter mit hochdotierten Beraterverträgen wie in den USA oder die Wiedereinführung der Wehrpflicht inklusive Cybereinheiten ohne Waffendienst wie in Israel.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)