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Deutschland ist seit 2012 erstmals wieder Mitglied im UN-Sicherheitsrat. Was zunächst wie eine bloße Ehre klingt, ist in Wahrheit eine große Verpflichtung – fordernd, aber auch sinnvoll. Denn es liegt im ureigenen deutschen Interesse, eine stärkere internationale Rolle zu übernehmen.

Wie seit langem nicht mehr, ist die globale Ordnung brüchig geworden. Augenfälligstes Merkmal ist die neue US-Außenpolitik von Präsident Trump. Sie rüttelt an den Grundfesten unserer Sicherheit und unseres Wohlstands. Die Mitarbeit im Weltsicherheitsrat bietet der Bundesregierung in den kommenden zwei Jahren ein weiteres Instrument, Schlimmeres zu verhindern.

Gewiss, die Einflussmöglichkeiten der UNO sollten nicht überschätzt werden. Trump macht immer wieder deutlich, dass er sich um die Meinung der Weltöffentlichkeit wenig schert. Nationale Belage – oder was er dafür hält – haben für ihn absoluten Vorrang. Die Machthaber in Moskau und Peking verhalten sich ähnlich, wenn auch im Ton deutlich verbindlicher. Umso wichtiger, dass die enger werdenden Spielräume von kleineren Mächten wie Deutschland zupackend genutzt werden.

Ob Konfliktverhütung, Migration, Klimaschutz: An vernachlässigten Themen im Sicherheitsrat herrscht kein Mangel. Als neues Mitglied kann und muss die Bundesregierung hier Initiativen entwickeln und fördern. Dies ist für Union und SPD auch parteipolitisch eine Chance, das eigene Profil wieder zu schärfen. Schließlich geht es hier um die großen Fragen, die viele Bürger bewegen: Frieden, Wohlstand, Umweltschutz.

Deutschland leistet bei alledem schon jetzt viel, allerdings häufig nur finanziell. Dies ist jedoch zu wenig, wenn es im Sicherheitsrat zusätzlichen Einfluss gewinnen will. Denn man mag es noch so kritisieren oder beklagen: Die harte weltpolitische Währung sind nun einmal Verteidigungsausgaben – verbunden mit der politischen Bereitschaft, Friedensmissionen durch eigene Soldaten zu unterstützen. Die Einsätze der Bundeswehr beispielsweise in Mali oder Afghanistan sind hierfür gute Beispiele.

Niemand drängt sich gerne zu solch gefährlichen Missionen. Doch wenn sie notwendig und international vereinbart sind, muss auch ein so großer und reicher Staat wie Deutschland einen adäquaten Beitrag leisten können. Anders ausgedrückt: Ohne mehr Geld für die Bundeswehr wird Berlins Stimme im Sicherheitsrat leider viel zu oft wirkungslos bleiben.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)