Diese Reise des Papstes wird besonders schwierig und heikel. Franziskus muss eine passende Form finden, um die schreckliche Lage der Rohingyas zu thematisieren, die zu Hunderttausenden aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflüchtet sind. Doch die Militärmachthaber in Rangun verharmlosen die Tragödie. Es droht ein Eklat, wenn der Papst zu deutlich wird.

Anderseits kann Franziskus nicht in die Region kommen, ohne dort die Opfer der „ethnischen Säuberung“ – so die Wortwahl der UNO – zumindest moralisch zu unterstützen. Sonst droht er viel von seiner großen politisch-persönlichen Autorität zu verlieren.

Dies wäre höchst bedauerlich. Denn Franziskus genießt weit über die katholische Kirche hinaus viel Respekt. Sein Wort hat Gewicht. Damit hat sich Papst weltweit zum glaubwürdigen Mahner für Frieden, zum Anwalt für die Armen und Entrechteten gemacht. Man kann nur hoffen, dass davon auch die buddhistischen Rohingyas profitieren, selbst wenn ihnen der Papst aus dem fernen Rom noch so fremd ist.

Gewiss sollten die Erwartungen an Franziskus nicht zu hoch geschraubt werden. Er ist in erster Linie Seelsorger. Außerdem gibt es Unrecht und menschliche Gewalt überall auf der Welt, nicht nur in Myanmar gegenüber den Rohingyas. Dennoch muss deren momentanes Schicksal besonders berühren. Sie sitzen gleichsam zwischen zwei Staaten im politischen Niemandsland – verfolgt, geschunden, nur notdürftig versorgt und ohne Hoffnung auf eine sichere Heimkehr.

Zwar haben Myanmar und Bangladesch kürzlich ein Rückführungsabkommen für die Rohingyas unterzeichnet. Aber es scheint vor allem dazu zu dienen, die internationale Kritik etwas zu mildern. Denn an den Fluchtursachen hat sich bislang nichts erkennbar geändert. Und das peinliche Taktieren von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi lässt auch nichts Gutes erwarten. Offenkundig steht die de-facto-Regierungschefin von Myanmar in der Rohingya-Frage unter dem maßgeblichen Einfluss der Generäle, die für die Gräueltaten direkt verantwortlich sind. Und die auf Widerworte hart zu reagieren pflegen.

Doch Franziskus ist ein zugleich kluger wie mutiger Papst. Dies ist eine Chance für die Rohingyas. Schlechter kann es für sie ohnehin kaum noch werden…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)