Zu Recht wächst nach der UNO-Rede von Donald Trump die Sorge vor einem neuen Atomkonflikt. So beinhaltet die Kritik des US-Präsidenten am Atomabkommen mit dem Iran  zwar einen wahren Kern: Die erhoffte Mäßigung der Politik Teherans ist nicht erfolgt. Doch die Bestimmungen des Vertrags hält das Mullah-Regime auch nach Washingtoner Meinung ein: Der Iran entwickelt sich nicht zur Atommacht. Das sollte den USA eigentlich genügen, ihrerseits die Lage nicht eskalieren zu lassen.

Aber Trump scheint anderes zu planen – ein Spiel mit dem Feuer. Denn wenn sich die Vereinigten Staaten komplett von den getroffenen Vereinbarungen distanzieren, werden sich die Iraner ebenfalls entsprechend verhalten. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit einer neuen Rüstungsspirale im Nahen Osten bis hin zu weiteren militärischen Konflikten. So hatte Israel nie einen Zweifel daran gelassen, dass es eine atomare Bewaffnung des Irans mit allen Mitteln – inklusive Gewalt – verhindern wolle. Ist sich Trump der damit verbundenen Risiken tatsächlich bewusst?

Hinzu kommen die negativen Auswirkungen auf den Nuklearkonflikt mit Nordkorea. Wie wollen die Amerikaner denn Kim Jong Un zu einem Verzicht auf seine neu entwickelten Waffen bewegen, wenn sie an anderer Stelle getroffene Zusagen einfach widerrufen? Das Kim-Regime dürfte sehr genau beobachten, wie sich die Amerikaner momentan gegenüber den Mullahs in Teheran verhalten. Sie werden zwangsläufig Rückschlüsse auf ihre eigene Lage ziehen mit dem wahrscheinlichen Ergebnis: Besser den eigenen Waffen vertrauen als auf Zusagen der USA bauen. Für die Suche nach einer Verhandlungslösung wäre dies der GAU.

Noch besteht die Chance, dass Trump nur blufft, um Teheran kurzfristig zu mehr internationalem Wohlverhalten etwa in Syrien und in der Golfregion zu bewegen. Dies wäre ein ehrenwertes aber zugleich hochriskantes Unterfangen. Daher sollte man vom Schlimmeren ausgehen: Trump meint, was er sagt. Zu Recht warnen führende europäische Staaten die USA davor, das Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen. Allerdings darf sich niemand Illusionen hingeben: Das Weiße Haus ist unter diesem Präsidenten kein Ort, an dem Alliierte und Argumente sonderlich ernst genommen werden…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)