Es spricht wenig dafür, dass Kim Jong Un Japan, Südkorea oder die USA angreifen will. Der nordkoreanische Diktator würde damit im Gegenzug sein Land zerstören und – was für ihn viel wichtiger sein dürfte – das Ende seines eigenen Regimes bewirken. Gleichwohl spielt Kim immer gefährlicher mit dem atomaren Feuer.

Zum Glück wurde der jüngste Raketentest, bei dem das Geschoss ohne Vorwarnung auch über japanisches Hoheitsgebiet flog, von den Militärs der Nachbarstaaten als ungefährlich eingestuft. Doch das ist keine Garantie für zukünftige Situationen dieser Art. Die Militärs könnten sich in der Kürze der möglichen Reaktionszeit auch einmal irren – mit fatalen Folgen.

Umso wichtiger, dass endlich miteinander verhandelt wird. Denn mit Druck und Sanktionen allein wird Nordkorea jedenfalls nicht zur Räson gebracht werden können. Dafür haben die kommunistischen Machthaber schon zu viele Fortschritte bei ihrem Raketen- und Nuklearwaffenprogamm gemacht. Diese Tatsache gilt es zähneknirschend zu akzeptieren in der Hoffnung, dass sich irgendwann einmal in fernerer Zukunft auch die Verhältnisse in Nordkorea grundlegend zum Positiven – sprich Demokratie und Abrüstung – wenden.

Gewiss, Kim darf nicht durch vorschnelle politische oder wirtschaftliche Zugeständnisse belohnt werden. Die Sanktionen müssen deshalb fortgesetzt werden. Aber ohne gleichzeitige Versuche, endlich wieder miteinander zu reden, sind solche Maßnahmen wertlos. Entscheidend bleibt, den Konflikt durch Gespräche wieder transparenter und berechenbarer zu machen, damit ein „Krieg aus Versehen“ mit Gewissheit verhindert werden kann.

Auch die Europäische Union sollte noch stärker als bisher auf allen diplomatischen Kanälen versuchen, einen Gesprächsfaden zwischen den Kontrahenten zu knüpfen. Denn so fern Korea von Brüssel, Berlin oder Paris auch liegen mag, die dortige Entwicklung könnte zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht dramatische Auswirkungen auf Europa haben – von sicherheitspolitischen und humanitären Effekten ganz zu schweigen. So würde ein Krieg in Ostasien zwangsläufig zu einem Einbruch der dortigen Märkte führen. Die Weltkonjunktur wäre massiv in Gefahr. Was dies für die deutsche Exportunternehmen mit ihren Millionen Arbeitsplätzen und den hiesigen Wohlstand heißt, lässt sich leicht ausmalen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)