Der Warnruf von EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger an die künftige italienische Regierung erfolgt zu Recht: Das Bündnis aus den populistischen Parteien Lega und Fünf Sterne könnte zu einer neuen Belastungsprobe für die EU werden und obendrein eine Euro-Krise auszulösen. Denn die bisherigen Vorstellungen der Wahlgewinner gleichen einem Wunschkonzert, bei dem vornehmlich andere – sprich die Nachbarstaaten – die schöne Musik bezahlen sollen. Das kann nicht funktionieren.

Das Beste wäre natürlich, die künftigen italienischen Minister kämen bei ihren Etatüberlegungen zur ökonomischen Vernunft. Sie müssten dazu nur in Brüssel nach dem passenden Konzept fragen. Der Haushaltskommissar könnte dies gewiss prompt liefern. Doch selbst wenn Oettingers Argumente in Rom auf taube Ohren stoßen sollten – wovon wohl auszugehen ist: Zum Glück sind italienische Kabinette nur selten von längerer Dauer. In der Vergangenheit galt diese fast schon sprichwörtliche Instabilität als Problem. Ganz anders jetzt im Fall von Lega und Fünf Sterne. Je eher dieser seltsame Spuk endet, desto besser.

Gleichwohl wäre es leichtfertig, die Entwicklung in Rom auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn eine Verschärfung der dortigen Krise könnte ungleich größere Verwerfungen als seinerzeit der Fall Griechenland mit sich bringen. Immerhin ist Italien momentan die viertgrößte Volkswirtschaft der EU und demnächst nach dem Brexit sogar die drittgrößte. Hilfsprogramme wie für die Griechen verbieten sich angesichts dieser Dimension. Sie würden die Union überfordern, zumal Lega und Fünf Sterne auch bislang keinerlei Neigung zu irgendwelchen reformerischen Eigenanstrengungen erkennen lassen. Im Gegenteil, sie wollen das Geld mit vollen Händen ausgeben und damit erklärtermaßen dem „europäischen Establishment“ Angst einjagen. Abstruser geht es kaum.

Die gleichzeitig angestrebte Annährung an Russland passt in dieses wirre Bild. Der von den neuen Partnern in Rom bewunderte Putin dürfte kaum interessiert und in der Lage sein, ihnen politisches Freibier in Milliardenhöhe zu spendieren. Stattdessen kann es Putin nur recht sein, wenn sich die EU intern – für ihn zum Nulltarif – weiter zerstreitet. Er kann damit die Machtgewichte weiter zu seinen Gunsten verschieben, von der Krim bis hin zur Ukraine.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)