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Die jüngsten Zahlen des Friedensforschungsinstitut Sipri zu den weltweiten Militärausgaben sind wenig überraschend. Sie bestätigen vor allem eines: dass die internationalen Brennpunkte momentan in Asien und im Nahen Osten liegen. Doch die dortige überdurchschnittliche Aufrüstung bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass in Europa kein Grund zur Sorge besteht.

Dies gilt vor allem mit Blick auf Russland. Zwar ist dessen Militärbudget zuletzt gesunken, aber die Moskauer Machtdemonstrationen nehmen weiter zu – Stichwort Syrien und Ukraine. Dagegen müssen sich Westeuropäer deutlich stärker wappnen, notgedrungen auch mit mehr Geld für Waffen und Soldaten.

Die Bundeswehr hat hier ebenfalls beträchtlichen Nachholbedarf. Ihre Ausrüstung ist teilweise veraltet oder stark reparaturbedürftig, was die Einsatzbereitschaft entsprechend verringert. Nicht zuletzt der Wehrbeauftragte des Bundestags hat darauf mehrfach hingewiesen.

Gleichwohl sind die Angaben der Stockholmer Sipri-Forscher beunruhigend. Offenkundig wächst weltweit die Neigung, mehr Geld in Aufrüstung zu investieren statt es etwa zur Armutsbekämpfung zu verwenden. Dies ist moralisch bedauerlich und politisch gefährlich. Denn natürlich kann mit der Zahl der Soldaten und Waffen auch die Versuchung wachsen, diese aggressiv zur eigenen Machterweiterung einzusetzen. Doch andererseits können höhere Militärausgaben auch ebendies verhindern helfen, indem sie einen potenziellen Störenfried mäßigen und auf Abstand halten. Genau dies ist momentan das Ziel der NATO im Verhältnis zu Russland.

Das Beste wäre, endlich mehr auf Diplomaten als auf Divisionen zu vertrauen, sprich: auch in Europa eine neue Abrüstungsdynamik in Gang zu setzen. Das würde Gefahren mindern und viel Geld sparen. Voraussetzung ist jedoch eine damit verbundene politische Entspannungsbereitschaft, die sich momentan aber leider im Kreml noch nicht abzeichnet.

Im Übrigen werfen die Sipri-Zahlen ein Schlaglicht auf die wachsende Macht und Bedeutung von China. Die Europäer und nicht zuletzt die Deutschen müssen erkennen, dass sie im Guten wie im Bösen eine immer unwichtigere Rolle im Weltgeschehen spielen. Darauf gilt es sich angemessen einzustellen, auch indem mehr für die eigene Verteidigungsfähigkeit getan wird.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)