Jetzt wird es politisch ernst für Staatschef Emmanuel Macron. Das im Parlament vorgestellte Konzept zur Arbeitsmarktreform wird maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg seiner Präsidentschaft entscheiden.

Macron ist mit dem Versprechen angetreten, Frankreich von Grund auf zu modernisieren. Dafür haben ihn die Bürger mit überwältigender Mehrheit ins Amt gewählt. Und nun muss er liefern. Macrons stark gesunkene Beliebtheit dürfte sich durch die Arbeitsmarktreformen zwar kaum verbessern. Doch sollten künftig mehr Franzosen einen Job finden, weil die Unternehmen ihre neuen Freiheiten für mehr Einstellungen nutzen, sähe dies wohl ganz anders aussehen.

Arbeitslosigkeit ist in Frankreich ein schon lang andauerndes, immens drückendes Problem. Die entsprechende Quote ist fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Alle bisherigen großen Reformversuche sind an den verkrusteten Verhältnissen und am sozialen Besitzstandsdenken kläglich gescheitert. Umso wichtiger, dass es mit Macron dieses Mal endlich klappt.

Allerdings dürfte der Widerstand linker Gruppen und Gewerkschaften gegen den vermeintlichen Sozialabbau heftig werden. Macron darf sich davon nicht beeinflussen lassen, sondern muss die versprochene Liberalisierung des Arbeitsmarkts konsequent umsetzen. Er verkörpert die letzte Hoffnung, dass der Umschwung noch auf geordnetem Weg erfolgen kann. Denn der rechte Front National mit Marine Le Pen wartet nur darauf, sich bei den nächsten Wahlen als Konkursverwalter der jetzigen Regierung und Erbauer eines neuen, radikal nationalistischen Frankreichs aufzuspielen – ein Alptraum für jeden Demokraten und für jeden überzeugten Europäer.

Gelingt dagegen der jetzt angekündigte große Wurf, könnte dies auch der Europäischen Union zusätzlichen Schwung verleihen. Denn Macron ist erklärtermaßen ein großer Anhänger der EU. Je größer seine Erfolge in Paris sind, desto stärker wird auch sein Gewicht in Brüssel, um die europäische Idee zu beleben und andere Wege etwa in der Haushaltspolitik zu beschreiten, Stichwort gemeinsamer EU-Finanzminister.

Insofern geht es bei den französischen Arbeitsmarktreformen um weit mehr als „bloß“ zusätzliche Jobs. Die Kernfrage ist: War der Wahltriumph Macrons nur ein kurzes Zwischenhoch oder doch ein tiefgreifender Wendepunkt für Frankreich und die EU insgesamt?

(Für Pressekorrespondenz Berlin)