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Vor 70 Jahren endete die Berliner Luftbrücke. Bis zu 1300 Flüge täglich, und das über zehn Monate lang: Amerikaner und Briten versorgten die 2,2 Millionen Einwohner Westberlins mit allem, was sie zum Leben brauchten. Der Plan der Sowjets, die West-Alliierten mit einer Blockade aus der geteilten Stadt zu verdrängen, scheiterte. Stattdessen wurden die „Rosinenbomber“ zum Symbol der Freiheit und eines tiefen Vertrauens der Deutschen in die Freundschaft zu den USA.

Und heute? Mit der Präsidentschaft Donald Trumps hat sich die politische Gefühlslage hierzulande drastisch verändert. Unverständnis, Misstrauen, ja Anzeichen von wachsendem Antiamerikanismus machen sich breit – eine für Deutschlands Sicherheit ebenso brisante wie gefährliche Gemengelage.

Natürlich dürfen die Bundesbürger nicht mehr erwarten, dass die USA sie wie 1949 ohne wenn und aber vor auswärtigen Bedrohungen beschützen. Denn aus dem damals militärisch besiegten und entsprechend wehrlosen Volk ist eine mächtige europäische Industrienation geworden, die auf vielfältige Weise für sich selbst sorgen kann. Und die dies auch stärker muss, wie Trump zu Recht ständig fordert. Doch in Berlin scheinen sich immer noch zu viele Politiker in trügerischer Sicherheit zu wiegen nach der Devise: Wenn es hart auf hart kommt, werden uns die USA – wie damals bei der Luftbrücke – schon nicht fallen lassen.

Übersehen wird dabei, wie sehr Deutschland aus amerikanischer Sicht an politischer Bedeutung verloren hat. Auf Berlins Regierung wird kaum noch Rücksicht genommen. Was dort zu internationalen Krisen gesagt oder getan wird, gilt im Weißen Haus als Begleitmusik, die man auch gut mal überhören kann.

Jüngstes Beispiel für diesen Abstieg in die zweite oder dritte Liga der Beziehungen war vor wenigen Tagen die Absage des Berlinbesuchs von US-Außenminister Pompeo. Statt wie lange geplant mit seinem deutschen Amtskollegen Maas zu beraten, reiste der Amerikaner völlig überraschend in den Irak, um mit der dortigen Regierung über den Irankonflikt zu sprechen. Eine besondere Dringlichkeit für diese Visite bestand erkennbar nicht. Dagegen stand Maas etwas düpiert da. Bagdad statt Berlin – plastischer können die Amerikaner dem einst wichtigsten Verbündeten seine neue Nebenrolle kaum vor Augen führen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)