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Der fürchterliche Anschlag in Christchurch hat Neuseeland tief getroffen. Das ganze Land trauert. Dabei geht die Premierministerin mit Stil und Taktgefühl voran. Das ist politische Führung im besten Sinne. Gleiches gilt für den Beschluss der Regierung, die Waffengesetze umgehend zu verschärfen. Die bisherigen Differenzen in der Koalition gehören über Nacht einer fernen Vergangenheit an. Stattdessen sind jetzt alle Parteien vereint, um der terroristischen Gewalt möglich energisch jeglichen Boden zu entziehen. Auch von diesem Verhalten können andere Nationen nur lernen.

Regierungschefin Jacinda Ardern hat sofort nach dem Anschlag den persönlichen Kontakt zu Opfern, deren Angehörigen und Freunden sowie zur muslimischen Gemeinde gesucht. Dies hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Bevölkerung nicht in eine Schockstarre verfiel und dann für radikale Parolen anfällig wurde.

Neuseeland ist zu Recht bekannt für seine Liberalität und Weltoffenheit. Der Attentäter von Christchurch wollte eben dies auf blutige Weise in sein Gegenteil verkehren. Premierministerin Ardern hat diese perfide Strategie durch ihre einfühlsame und kluge Reaktion durchkreuzt. Das allein schon verdient höchsten Respekt. Hinzu kommt die energische Weise, in der sie die politisch-sachliche Antwort im Kabinett organisierte.

Die jetzt verabredete Reform des Waffengesetzes ist ein überzeugendes Signal an die zutiefst verunsicherte Bevölkerung. Statt immer mehr Bürger zu bewaffnen, wollen Ardern und ihre Minister den Schutz vor Gewalt künftig noch fester in die Hände des Staates legen. Das ist vernünftig und zugleich die politisch richtige Botschaft an alle Extremisten. Denn nicht sie sind zur Verteidigung der Nation berufen, sondern einzig und allein die gewählten Repräsentanten.

Natürlich können noch so strenge Waffengesetze einen Amoklauf nicht grundsätzlich verhindern. Wer mit aller Konsequenz töten will, wird immer einen dafür geeigneten Weg finden. Allerdings sollte es den potenziellen Terroristen im Vorfeld möglichst schwer gemacht werden. So dürfen Waffen nur in nachgewiesenermaßen verlässliche Hände gelangen. Darauf müssen die Bürger vertrauen können – nicht nur in Neuseeland. Vor allem in den USA muss hier ein Umdenken erfolgen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)