Die wenigsten von uns dürften einen 500 Euro-Schein jemals gesehen geschweige denn besessen haben. Ist die heftige Kritik an seiner Abschaffung – speziell aus Deutschland – deshalb nicht alltagsfremd und überzogen? Nein. Denn die Europäische Zentralbank setzt damit ihren machtbewussten Kurs zu Lasten der hiesigen Sparer fort. Am Ende droht zwar nicht das juristische aber faktische Ende des Bargeldverkehrs. Und dies hätte für jeden Einzelnen tiefgreifende Konsequenzen.

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele hatte völlig Recht, als er kürzlich mit Blick auf Bargeldobergrenzen und das Aus für den 500 Euro-Schein sagte: Freiheit stirbt scheibchenweise. Die deutschen Bürger und Banken verlieren durch die Entscheidung der EZB ein weiteres Stück Unabhängigkeit. So wird es für die Geldinstitute künftig schwieriger, sich den Negativzinsen der Frankfurter Währungshüter durch mehr Bargeld im Tresor zu entziehen. Die Kunden werden es über die Gebührenschiene zu spüren bekommen. Schon jetzt kommt ihnen die Geldpolitik der Europäischen Notenbank teuer zu stehen: Lebensversicherungen werden unrentabel, Spareinlagen bringen kaum Ertrag, der Alterssicherung von Millionen Bürgern droht die Schieflage. Hier zieht die EZB mit dem Aus für den 500 Euro-Schein weiter die Daumenschrauben an.

Das Argument Terror- und Kriminalitätsbekämpfung ist dabei nicht stichhaltig. Denn erstens gehört der Einsatz gegen Gangster und Attentäter nicht zu den Aufgaben von Währungshütern. Dafür sind Gesetzgeber, Polizei und Geheimdienste zuständig.  Zweitens  bleibt für kleinere illegale „Geschäfte“ immer noch ausreichend Bares im Umlauf. Und drittens halten sich große Betrüger und Banden mit Papiergeld sowieso nicht lange auf. Geldwäsche und Schwarzkonten heißen hier die Stichworte: Der Skandal um die Panama Papers zeigt, wie das geht.

Die EZB behauptet zwar, keine weiteren Euro-Noten aus dem Verkehr ziehen zu wollen. Skepsis bleibt aber angebracht. Klar ist, dass der Bargeldeinsatz am Ende doch de facto abgeschafft werden könnte. Die Anzeichen dafür mehren sich. Für EZB und andere Behörden hieße es dann: Konto gleich Kontrolle. Jeder Kauf, jede Transaktion ließe sich nachvollziehen. Der staatliche Zugriff wäre umfassender denn je. Und was wäre, wenn Banken einmal vorübergehend Computer- oder wie jüngst in Griechenland Liquiditätsprobleme bekommen? Dann würde wieder der Grundsatz gelten müssen: Nur Bares ist Wahres – ein letzter Ausweg, den Zentralbanker im Interesse der Bürger nicht versperren dürfen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)