Die teils blutigen Auseinandersetzungen um Gorleben sind noch in unguter Erinnerung. Vor diesem Hintergrund ist es zwar grundsätzlich zu begrüßen, dass der Bundestag jetzt parteiübergreifend – mit Ausnahme der Linken – ein Gesetz zur Endlagersuche für hoch radioaktiven Atommüll gebilligt hat. Doch die politische Ruhe wirkt trügerisch. Jeder Standort, der neu oder wieder ins Gespräch kommt, dürfte angesichts der Gorleben-Historie zumindest von den regionalen Parteivertretern und den betroffenen Anwohnern heiß diskutiert werden.

Hinzu kommt die unrühmliche Rolle von Experten. Wissenschaftler haben sich beim Thema Atom immer wieder von Konzernen, Umweltschützern und Interessengruppen politisch vereinnahmen lassen. Das hat die Debatte zusätzlich belastet, weil unabhängiges Fachwissen im Kampf der Meinungen beliebig wurde. Nicht Fakten gelten in einem solchen Streitklima mehr als relevant, sondern nur noch die Ängste und Interessen, die mit ihnen verknüpft sind. Man fühlt sich hier an die heutige Diskussion in den USA über Trump und Fake News erinnert.

Es ist daher höchst ungewiss, ob sich die Parteien tatsächlich wie geplant bis 2031 auf einen Standort einigen können. Im Gegenteil, dem politischen Trauerspiel Endlager droht die Endlosschleife. Das Desaster begann vor Jahrzehnten, als Politiker grünes Licht für einen Atommeiler nach dem anderen gaben, ohne gleichzeitig die spätere Entsorgung sicherzustellen. Es galt das Prinzip Hoffnung: Irgendwer werde irgendwann schon irgendeine Lösung finden.

Das war leichtsinnig und verantwortungslos. Die langfristige Kosten-Nutzen-Rechnung fällt entsprechend düster aus. Umweltministerin Hendricks hat leider Recht mit ihrer Feststellung: „Über 30.000 Generationen werden noch von den Folgen der Atom-Technologie betroffen sein, die bei uns gerade einmal 60 Jahre in Betrieb war.”

Jetzt heißt es, wenigstens spät als überhaupt nicht die früheren Versäumnisse zu korrigieren. Denn egal, ob man für oder gegen die weitere Nutzung der hiesigen Reaktoren ist: der hochradioaktive Müll muss in jedem Fall von der heutigen Generation sicher und dauerhaft entsorgt werden. Das ist politisch-moralisch zwingend. Deshalb darf nichts unversucht bleiben, um der neu beschlossenen Endlagersuche aller Skepsis zum Trotz doch zum Erfolg zu verhelfen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)