Donald Trump ist der klare Verlierer des letzten TV-Duells gegen Hillary Clinton. Inhaltlich konnte er keine neuen Wählerschichten erreichen. Und dass er Zweifel an der Rechtmäßigkeit des ganzen Wahlerfahrens äußerte, war der absolute Tiefpunkt seiner bisher schon skandalösen Kampagne. Doch hat Trump damit auch bereits die Wahlen verloren, wie es viele Umfragen nahelegen?

Hier ist Vorsicht geboten. Entscheidend dürfte sein, ob Hillary Clinton ihren Vorsprung bei den Demoskopen auch tatsächlich in Stimmen umwandeln kann. Die Mobilisierung der eigenen Klientel ist jetzt die größte Herausforderung – nicht einfach für eine Politikerin, deren Unbeliebtheit trotz unbestrittener Fachkompetenz fast schon sprichwörtlich ist. Wer aus guten Gründen gegen Trump ist, muss deswegen nicht auch zur Wahl gehen und seine Stimme für die frühere Außenministerin abgeben.

Hinzu kommt, dass viele Amerikaner nach dem TV-Duell womöglich denken, die Wahl sei schon gelaufen und sie könnten risikolos zuhause bleiben. Einem ähnlichen Irrtum waren vor dem Brexit-Votum zahlreiche EU-Befürworter in Großbritannien verfallen. Ihr Erwachen war böse.

Leider spricht einiges dafür, dass viele aus Trumps Klientel nach dem vernichtenden Medienurteil über die TV-Debatte sagen: Jetzt erst recht. Mehr noch: Trumps Tabubruch mit seinen Äußerungen über angebliche Wahlmanipulationen wirkt bei fanatisierten Anhängern wie ein Brandbeschleuniger. Er heizt das Feuer des Protestes, ja des Hasses auf „die da oben“ in Washington weiter an. Der Milliardär erteilt auf diese Weise Menschen, die sich an den Rand gedrängt fühlen, gleichsam den Befehl zur Mobilmachung im Feldzug gegen Betrüger, Reiche und Böse – alles verkörpert in Hillary Clinton. Diese Vorgehensweise ist ebenso abenteuerlich wie perfide. Aber leider nicht ganz chancenlos.

Und fast noch schlimmer ist, dass Trump droht, eine Niederlage nicht anerkennen zu wollen Im Klartext heißt dies: Widerstand des eigentlichen „Siegers“ – sprich Trump – gegen die neue Präsidentin, die nach seiner Auffassung zu Unrecht ins Weißen Haus einziehen würde. Das ist Verrat an der Demokratie. Hier wird Trumps Egotrip zum politischen Amoklauf, der die USA in ihren Grundfesten erschüttert. Schreckt dieser Kandidat eigentlich vor nichts zurück? Man kann nur hoffen, dass die Wahl so vernichtend für ihn ausgeht, dass selbst er keinen Raum für dubiose Dolchstoßlegenden mehr findet…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)