Die Wahlkampagne von Donald Trump ist bislang schon reich an politischen Fehltritten und Peinlichkeiten gewesen. Doch was der republikanische Kandidat jetzt in die Welt posaunt hat, besitzt eine andere, noch üblere Qualität. Zugespitzt gesagt, könnte man von einem indirekten Mordaufruf gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton sprechen.

Natürlich behauptet Trumps Team im nachhinein, die Aussage sei völlig anders zu verstehen gewesen. Doch von wem? Die fanatisierten und gewaltaffinen Anhänger des Milliardärs dürften schon diejenige Botschaft aus dem Gestammel herausgehört haben, die sie hören wollten.

Und genau dafür ist Trump auch verantwortlich. Er muss als möglicher US-Präsident so klar und verantwortungsvoll reden, dass sich niemand zu strafbaren Handlungen motiviert fühlen könnte. Eben dies hat Trump jetzt in Sachen Clinton nicht getan. Vielleicht war es Unvermögen nach dem Muster: Er redet bevor er denkt. Das wäre schon schlimm genug. Immerhin bewirbt sich der Betreffende um das höchste Amt einer atomaren Supermacht und der größten Volkswirtschaft der Welt. Da gehört es schlicht zum Mindest-Anforderungsprofil, dass der Kandidat stets um die Wirkung seiner Worte weiß. Denn Plauderstil bei sensiblen Themen könnte bei einem Präsidenten zu Katastrophen und Kriegen führen.

Vielleicht waren Trumps jüngste Äußerungen aber auch ein bewusst kalkuliertes Spiel mit Emotionen. Dies wäre gefährlich und skandalös – um es noch milde zu umschreiben. Leider würde eine solche Vorgehensweise aber zu radikalen Populisten vom Schlage Trumps passen. Dieser Politikertyp spielt gerne mit dem Feuer, rudert dann verbal zurück – mit dem klaren Kalkül, dass er ungeachtet des Dementis wieder einen Grenzpfosten von Sitte und Moral dauerhaft verschoben hat. Ähnlich machen es AfD-Vertreter in Deutschland und andere Rechtspopulisten in Europa. Sie brechen gezielt Tabus und wollen dann für die Folgen nicht verantwortlich gemacht werden.

Im Fall Trump darf diese Rechnung jetzt nicht aufgehen. In den USA herrscht aktuell ein besonders aufgeheiztes Klima der Gewalt – gegen Schwarze, Polizisten, Andersdenkende und Menschen, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Wer diese fatale Stimmung verstärkt, disqualifiziert sich als Politiker. Und erst recht als Präsidentschaftskandidat der Grand Old Party.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)