Eigentlich müsste es das gewesen sein. Die jetzt bekannt gewordenen sexistischen Äußerungen von Donald Trump sind derart krass, dass sich selbst in der eigenen Partei immer mehr prominente Mitglieder empört vom eigenen Präsidentschaftskandidaten distanzieren. Und dies will etwas heißen, denn Trump hatte schon des Öfteren Anlass zu heftiger Kritik geboten, ohne dass die Republikaner in großem Stil von ihm abgerückt wären. Doch dieses Mal scheint die Grenze des Erträglichen für viele endgültig überschritten zu sein.

Gleichwohl wäre es leichtfertig, Trump jetzt schon als endgültigen Verlierer zu sehen. Dieser unsägliche Kandidat ist weiterhin für böse Überraschungen gut. Hillary Clinton muss auf der Hut bleiben. Denn Trump ist momentan wie ein angeschlagener Boxer: unberechenbar und noch gefährlicher als ohnehin schon. Und dass er keinerlei Skrupel vor anstößigen Tiefschlägen hat, steht seit langem fest.

Deshalb wird Trump das Privat- und Geschäftsleben der Clinton-Familie noch stärker als bisher in den Fokus zu rücken versuchen, um von seinen eigenen Schwachstellen abzulenken. Angesichts des jetzigen Skandals müsste er dazu schon sehr schweres Geschütz auffahren – es droht eine kaum vorstellbare Schlammschlacht. Für das Ansehen der amerikanischen Demokratie ist dies ein Desaster. Ein politisch wild gewordener, moralisch haltloser Milliardär kapert eine große Partei für seinen wilden Ego-Trip: die amerikanischen Verfassungsväter müssten sich im Grabe umdrehen.

Gewiss, eine Notbremsung – sprich Aberkennung der offiziellen Präsidentschaftsnominierung für Trump – wäre beispiellos und würde die Republikaner in große Turbulenzen stürzen. Aber könnte es tatsächlich noch schlimmer als jetzt schon kommen? Eher nicht, denn zumindest würde das Parteiestablishment bei einer roten Karte für Trump wenigstens einen Rest seiner früheren Reputation retten.

Und mit Mike Pence hat die Partei einen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft nominiert, der aus dem Stand auch die Nummer eins werden könnte. Pence mag vielleicht keine Idealbesetzung sein, aber er ist für die Republikaner immer noch tausendmal seriöser und zukunftssicherer als der bisherige Kandidat mit der dicken Brieftasche, den dünnen Inhalten und dem schwachen Charakter.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)