Das Interview eines deutschen und eines britischen Journalisten mit Donald Trump bietet inhaltlich wenig Überraschendes. Das eigentliche Neue sind der Tonfall und sein erkennbar werdender Stil als künftiger US-Präsident.

Trump äußert sich plaudernd-höflich und ohne persönliche Schärfen. Konkrete Festlegungen vermeidet er. Dies unterscheidet ihn nicht von anderen Wahlsiegern in vergleichbarer Lage. Radikal anders ist jedoch seine Herangehensweise an politische Herausforderungen. Trump setzt voll und ganz auf Deals, auf „Geschäfte“ zum Vorteil der USA. Strategische Bündnisse wie die NATO geraten damit plötzlich auf den Prüfstand von kurzfristigen Kosten/Nutzen – für die Europäer und insbesondere die Deutsche eine heikle Perspektive. Das einzig Gute ist: Trumps Verhalten wird auf diese Weise zunehmend kalkulierbarer.

Die Mitglieder der EU haben nun zwei Möglichkeiten. Entweder sie warten weiter ab, welche Ideen die neue US-Regierung als erstes umsetzen möchte. Oder sie gehen selbst in die Offensive und unterbreiten Trump eigene Angebote – dann aber nicht nur zum alleinigen Vorteil der USA sondern des Westens insgesamt.

Die zweite Alternative ist aus europäischer Warte fraglos besser. Allerdings setzt sie voraus, dass sich die EU-Mitglieder zügig über ihre strategischen Ziele inklusive deren Finanzierung verständigen. Nur dann hätten sie eine realistische Chance, die weitere Tagesordnung bei der Neujustierung der amerikanisch-europäischen Beziehungen zu prägen.

Aber leider spricht angesichts der jüngsten Erfahrungen – man denke nur an das Thema Flüchtlinge – wenig dafür, dass sich die EU kurzfristig auf neue gemeinsame Positionen einigen wird. Trump dürfte dies nicht stören. Im Gegenteil, er hätte dann thematisch völlig freie Bahn und würde sich ermuntert fühlen, wie ein wirtschaftlicher Monopolist zu agieren: Sein „Geschäft“ zum eigenen Vorteil – sprich der USA – ohne Rücksicht auf die üblichen Spielregeln und die Stellung von Anderen durchdrücken.

Gewiss, vieles wird nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird. Dies könnte auch für die Präsidentschaft Trumps gelten. Aber sicher ist dies nicht. Bloßes Abwarten wäre daher für die EU höchst leichtsinnig, zumal Russlands Staatschef Putin fast jeden Preis zahlen würde, um die bisherigen Bindungen zwischen USA und Westeuropa zu lockern oder gar zu lösen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)