Der Start von Donald Trump im Weißen Haus wird immer bizarrer. Erst verhängt der neue US-Präsident ein weltweit heftig kritisiertes Einreiseverbot für Bürger aus zahlreichen islamischen Staaten. Und jetzt lässt Trump allen Ernstes verbreiten, die verhängte Maßnahme richte sich überhaupt nicht gegen Flüchtlinge und Muslime. War alles etwa nur ein großes Versehen und Missverständnis? Kaum zu glauben. Denn sonst könnte Trump die umstrittene Entscheidung einfach wieder rückgängig machen. Aber davon ist aus dem Weißen Haus nichts zu hören.

Im Gegenteil, die Äußerungen des Präsidenten im zurückliegenden Wahlkampf lassen nur den Schluss zu: Er meint es mit der unklugen Abschottung und Diskriminierung bitterernst. Und seine Anhänger erwarten dies auch – die Stimmung in den USA ist entsprechend aufgeheizt. Deshalb greift Trump in die gängige Trickkiste von windigen Rechtspopulisten: Erst ein politisches Tabu brechen, mit den empörten Reaktionen gezielt Punkte im eigenen radikalen Lager sammeln und dann verbale Nebelkerzen zünden, um den praktischen Schaden möglichst zu begrenzen.

Eine solche Taktik ist immer negativ. Doch was vielleicht bei einem Geert Wilders in den Niederlanden oder einer Frauke Petry in Deutschland noch irgendwie als vermeintlich raffiniert durchgehen mag, ist im Fall Donald Trump schlicht unverantwortlich und skandalös. Denn an einen US-Präsidenten sind ganz andere Maßstäbe anzulegen. Er ist von Amtswegen viel zu mächtig, um wie ein politischer Winkeladvokat tricksen und täuschen zu dürfen. Stattdessen muss er für alle direkten und indirekten Auswirkungen seines Handelns in jeder Hinsicht geradestehen – und die können sehr weitreichend sein, wie auch die kritischen Reaktionen von großen Konzernen wie Google, Facebook oder Starbucks auf die neuen Einreisebestimmungen zeigen.

Doch diesem Präsidenten scheint völlig egal, was er mit der pauschalen Verdächtigung von Millionen Muslimen für Wirtschaft und Gesellschaft in den USA anrichtet – von den fatalen Folgen für die internationalen Interessen der USA ganz zu schweigen. Oder ist Trump schlicht überfordert? Fehlen ihm und seinem Beraterteam die Phantasie und Kompetenz, um die weitreichenden Auswirkungen ihres Tuns richtig einschätzen zu können? Beide Möglichkeiten sind gleichermaßen beunruhigend.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)