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Dieser Abgang mag für Horst Seehofer persönlich bitter sein, aber er ist überfällig. Der noch amtierende CSU-Chef hat in den letzten Monaten durch Quertreiberei in der Berliner Koalition, seine höchst unglückliche Rolle in der Affäre Maaßen und durch die schmerzhafte Niederlage seiner Partei bei der bayerischen Landtagswahl dramatisch an Reputation verloren. Und geradezu peinlich war es, wie sich Seehofer trotzdem in den letzten Wochen an all seine Posten geklammert hat. Entsprechend tief sind seine Popularitätswerte gefallen.

Für den notwendigen Neustart der Regierungen in Berlin und München ist er deshalb der falsche Mann, und zwar sowohl als Parteivorsitzender wie auch als Bundesinnenminister. Beide Posten gehören im Fall Seehofer zusammen. Denn ohne seine starke Stellung als CSU-Chef hätte sich der Innenminister wohl kaum derartige Freiheiten bis hin zu Frechheiten gegenüber der Kanzlerin herausnehmen können. So musste Merkel mehrere Affronts etwa bei den Themen Flüchtlinge und Maaßen hinnehmen, nur um den Fortbestand ihrer Koalition zu wahren. Das wird anders, wenn Seehofer bei den Christsozialen nur noch die zweite oder dritte Geige spielt.

Ohne CSU-Vorsitz ist er in Berlin ein Bundesminister unter vielen. Dann kann er nicht mehr mit Merkel quasi auf Augenhöhe streiten. Für Seehofer schlimmer noch: Er muss befürchten, dass ihn der künftige CSU-Chef bei einem eventuellen neuen Konflikt mit der Kanzlerin voll klammheimlicher Freude fallen lässt. Denn Seehofers Nachfolger – egal wer es sein wird – hätte auf diese Weise intern Führungsstärke bewiesen, Pluspunkte in der Öffentlichkeit gesammelt und wäre obendrein seinen Vorgänger als lästigen Konkurrenten um die Deutungshoheit innerhalb der eigenen Partei los. Besser geht es kaum.

Seehofer sollte deshalb im eigenen Interesse einen Schlussstrich ziehen und umgehend aus allen Ämtern ausscheiden. Anderenfalls würde er in eine für ihn höchst unangenehme Abhängigkeit von der Kanzlerin geraten. Und Merkel dürfte ihn kaum stützen wollen. Denn sie hat bekanntlich noch so manche alte Rechnung mit Seehofer offen. Kaum zu glauben, dass sich der scheidende CSU-Vorsitzende ein solch demütigendes Amtieren auf Abruf tatsächlich am Ende seiner langen politischen Karriere noch antun will…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)