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Keine Frage, die israelischen Vergeltungsangriffe im Gaza-Streifen können trotz waffentechnischer Präzision auch unschuldige Zivilisten treffen. Entsprechend scharf wird das harte Vorgehen Jerusalems von Menschen in der Region, aber auch weltweit kritisiert. Israel wird wieder einmal zur Mäßigung gegenüber den Palästinensern aufgefordert. Angesichts des durch die Attacken verursachten menschlichen Leids ist dies verständlich. Doch wo bleiben die gleichzeitigen Vorwürfe an die Hamas, von deren Territorium aus unschuldige Israelis mit Granaten beschossen wurden?

In diesem Konflikt werden vielfach ungleiche Maßstäbe angelegt: Während viele Bürger die Jerusalemer Militäraktionen anprangern, gehen dieselben Personen über den Terror aus dem Gazastreifen mit einem politischen Achselzucken hinweg. Gewalt von radikalen Palästinensern wird für unvermeidlich gehalten. Das ist unredlich. Und zur Entspannung in der seit Jahrzehnten umkämpften Region trägt solche Einseitigkeit gewiss auch nicht bei. Im Gegenteil, Extremisten im Gazastreifen könnten dies als Freibrief für weitere Gewaltaktionen verstehen.

Natürlich kann man trefflich darüber streiten, ob das israelische Verhalten gegenüber den Palästinensern klug und friedensorientiert ist. Und zu Recht ist Jerusalem wegen seiner Besatzungspolitik des Öfteren von den Vereinten Nationen verurteilt, ja geradezu angeprangert worden. Aber dies ist eben nur die eine Seite der Medaille. Zur anderen gehört die Tatsache, dass jeder israelische Bürger in der berechtigten Sorge lebt, völlig überraschend ein Ziel von politisch motivierter Gewalt werden zu können.

Im jüdischen Staat herrscht seit Jahrzehnten ein Klima aus Bedrohung und Unsicherheit. Darin wirken Ideen für Friedenslösungen häufig weltfremd. Trotzdem gibt es letztlich keinen anderen Ausweg – es sei denn, man hält den jetzigen Zustand in Nahost für wünschenswert. Dies wäre jedoch ebenso weltfremd wie moralisch verwerflich.

Auch die Hamas will erklärtermaßen keine Eskalation der Gewalt. Und möglicherweise geschahen die kürzlichen Angriffe gegen Israelis sogar ohne ihr vorheriges Wissen. Die Extremistenszene ist schließlich reichlich zersplittert. Und dennoch: Wenn die Hamas als Vertreterin des Gazastreifens gelten will, muss sie dort auch für Ruhe und Ordnung sorgen – sprich weitere Terroraktionen gegen Israelis konsequent verhindern. Sonst wird Jerusalem seine Bürger weiterhin selbst in der bisherigen Form schützen wollen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)