Donald Trump hat sich mit seinen abstrusen Äußerungen über angebliche Vorfälle in Schweden international kräftig blamiert. Der nachgeschobene Hinweis auf einen Bericht von Fox News macht es für den Präsidenten keinen Deut besser. Denn gerade für einem Mann in seiner Position muss gelten: Erst informieren und nachdenken, dann reden und handeln.

Trump hat in Sachen Schweden leider das genaue Gegenteil getan. Er erweckte fälschlicherweise den Eindruck, es habe in dem skandinavischen Land gerade einen Terroranschlag mit Flüchtlingshintergrund gegeben. Das ist beängstigend.  Aber die jüngsten Rechtfertigungsversuche Trumps haben trotz aller berechtigten Kritik auch etwas Positives. Sie zeigen, dass dem Präsidenten kritische Medienberichte keineswegs so gleichgültig sind, wie er sonst gerne behauptet.

Trump möchte gefeiert und bewundert werden. Auch in den Medien, speziell im von ihm so häufig genutzten Fernsehen. Dieses Schielen auf medien-öffentliche Präsenz und Anerkennung kann zur politischen Sucht werden. Bei Trump scheint dies der Fall zu sein. Es ist die andere Seite seines sonst so heftig zelebrierten Hasses auf Journalisten. Diese sollen in Trumps Weltbild einem Präsidenten huldigen und ihn nicht hinterfragen. Das zeugt zwar von Verachtung gegenüber den klassischen Aufgaben einer freien Presse. Aber zugleich beweist dies auch die weiterhin große Macht der amerikanischen Medien – ein Hoffnungszeichen für die Demokratie.

Kommentare und Recherchen zu Trumps Verhalten mögen nicht mehr die gleichen direkten Effekte wie vergleichbare Berichte bei früheren Präsidenten haben. Doch sie zeigen – wie jetzt gesehen – Wirkung, selbst beim Amtsinhaber. Das sollte die Presse ermutigen, auf dem eingeschlagenen Kurs weiter zu machen. Es darf zwar keine journalistische Hetzjagd auf Trump geben. Er ist immerhin frei gewählt worden. Doch zur Fairness und zu den Funktionen der Presse gehört eben auch, alle dunklen Seiten dieses ersten Mannes im Staat detailliert und kritisch auszuleuchten.

Für die amerikanischen Journalisten ist dies eine große Herausforderung. Aber sie zu schaffen. Denn die Verfassung und die seit über 200 Jahren gelebte Praxis haben die Presse für diesen Machtkampf gut gewappnet. Trump sollte sich vorsehen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)