Endlich macht China im Nordkorea-Konflikt ernst. Denn die jetzt von Peking verhängten Sanktionen erhöhen den Druck auf Kim Jong Un, den Atomstreit mit seinen Nachbarn und den USA nicht weiter zu verschärfen. Mit der Ausfuhr von Eisen, Eisenerz und Meeresfrüchte hatte der Diktator einen wichtigen Teil seiner gigantischen Rüstungsprojekte finanziert. Dieses Geld wird künftig fehlen. Und China zeigt Kim, dass er vollständig isoliert ist. Verhandlungen sind für ihn der einzige Weg zum politischen Überleben.

Umso wichtiger ist es, dass die USA die Sanktionen Pekings nutzen, um ihrerseits eine diplomatische Offensive zur Lösung des Konflikts zu starten. Denn ein Kompromiss mit Kim ist allemal besser als ein Krieg gegen ihn. Dazu gehört, dass Donald Trump endlich das zeigt, was ihm augenscheinlich am schwersten fällt: Maß und Zurückhaltung auch in der Wortwahl. Denn sonst könnte die Lage im Nordkoreakonflikt schnell und unbeabsichtigt weiter eskalieren mit der Gefahr einer atomaren Katastrophe.

Entscheidend wird sein, dass Washington und Peking gemeinsam nach einer Lösung suchen. China scheint dazu immer mehr bereit zu sein. Nach der kürzlichen Zustimmung im Weltsicherheitsrat zu Sanktionen beginnt nun deren Umsetzung. Daran sollte Trump anknüpfen, statt an anderer Stelle unnötigen wirtschaftlichen Druck auf Peking auszuüben und damit womöglich einen Handelskrieg zu riskieren.

Die entsprechenden Ankündigungen des US-Präsidenten sind ebenso ökonomisch wie militärisch schädlich. Beide Länder würden durch einen solchen Handelskonflikt Nachteile für ihre Unternehmen und Verbraucher erleiden. Vor allem aber wäre es in einem derartigen Klima der Konfrontation noch schwieriger, an anderer Stelle gemeinsam Neues zu beginnen, Stichwort Nordkoreakonflikt.

Gewiss, Amerikaner und Chinesen verfolgen dort unterschiedliche Interessen. China möchte das Kim-Regime aus Sorge vor regionaler Instabililät und als Puffer gegenüber den USA behalten. Washington wiederum will die nukleare Bedrohung seiner Verbündeten Südkorea und Japan beenden und in Sachen Kim am liebsten „reinen Tisch“ machen. Doch in einem wesentlichen Punkt sind die beiden Großmächte zumindest einig: Sie wollen keine Entwicklung, die nuklear außer Kontrolle gerät…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)