Der Kontrast könnte klarer nicht größer sein. Während sich ein persönlich integrer Obama von den US-Bürgern in Chicago mit einer großen, an die Werte Amerikas appellierenden Rede verabschiedet, muss sich sein gewählter Nachfolger Trump in New York gegen den Verdacht wehren, wegen kompromittierenden Materials von Moskau erpressbar zu sein. Und egal ob die Vorwürfe gegen ihn nun zutreffen oder nicht: Allein die Tatsache, dass die Geheimdienste sie zumindest so ernst nehmen, dass sie Obama und Trump offiziell davon unterrichten, wirft ein düsteres Bild auf den bevorstehenden Wechsel im Weißen Haus.

Trump reagiert auf die Verdächtigungen zunächst wie erwartet: Klares Dementi über Twitter, patzig und polemisch im Ton. Doch immerhin räumte er später während seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl ein, dass Russland hinter den Hackerangriffen der vergangenen Monate stehe. Das sind neue Töne in Richtung Geheimdienste und Moskau. Sie sollten jedoch nicht überbewertet werden. Denn schon im Wahlkampf war sich Trump für keinen politisch billigen und schmutzigen Schnellschuss zu schade. Dort zählte wie in seinem Geschäftsleben nur eines: der messbare Erfolg.

Und den hat er auch entgegen aller Erwartungen und Widerstände an den Wahlurnen erzielt. Gleichzeitig hat sich dabei aber leider der Eindruck verfestigt, dass bei Trump die Skala in Sachen Skrupellosigkeit und moralischer Gleichgültigkeit nach oben hin offen ist. Das macht den künftigen Präsidenten angreifbar für gezielt lancierte Gerüchte und Unterstellungen – gesteuert auch von ausländischen Mächten wie Russland.

Eine erste Nagelprobe wird daher sein, wie schnell und sicher die US-Geheimdienste die aktuellen Berichte entkräften, der Kreml könne Trump wegen privater und geschäftlicher Kontakte in Russland erpressen. Je eher solche Themen wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden, desto besser. Denn niemand sollte an einer westlichen Führungsmacht gelegen sein, die sich mit mehr mit dem Privatleben ihres Präsidenten als mit politischen Problem befassen muss.

Wie anders war es doch mit Obama. Sein Privatleben – sprich Ehefrau Michelle – verlieh dem Amt zusätzlichen Glanz und Glamour, eine Werbung für die positiven Seiten und Werte der USA. Hinzu kommen – ungeachtet seiner politischen Fehler und Versäumnisse – die starke Rhetorik und große Integrität des noch amtierenden Präsidenten. An diesen Maßstäben wird auch Trump von seinen Landsleuten eines Tages gemessen werden. Kaum vorstellbar, dass er ihnen auch nur annähernd gerecht werden kann.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)