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Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu einigen modernen Pflanzenzuchtverfahren ist verbrauchernah und plausibel. Die strengeren Anforderungen bei Zulassung und Kennzeichnung mögen den beteiligten Unternehmern und Forschern zwar unnötig vorkommen. Aber wer von ihnen hätte schon für alle Zukunft garantieren können, dass solche Zuchtverfahren nicht womöglich doch zu schwerwiegenden, unumkehrbaren Folgen für Ökosysteme und Gesundheit führen?

Und vor allem: Wer wäre dann für den unkalkulierbaren Schäden aufgekommen? Wirtschaftliche Aspekte dürfen daher bei hochsensiblen Themen wie Gentechnik im weitesten Sinne nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das EuGH-Urteil ist hier beispielhaft.

Gewiss bieten die neuartigen Anwendungsmöglichkeiten auch großartige Chancen. Sie dürfen nicht von vornherein aus Angst vor Veränderungen verspielt werden. Gleichwohl heißt es auch hier: Vertrauen in die Wissenschaft ist gut, Kontrolle der erzielten Ergebnisse ist besser.

Die Gesellschaft muss so weit es geht vor ungewollten und dauerhaften Nebenwirkungen geschützt werden, die jetzt noch gar nicht erkennbar sind. Deshalb sollte der Prozess auch von staatlichen Kontrollen und Verbraucherinformationen gesteuert werden. Im Fall des Falles kann dann die Notbremse gezogen werden. Wäre die Klage beim EuGH gescheitert, hätte es diese Chance nicht mehr gegeben – ein erneuter Rückschlag für das ohnehin lädierte Vertrauen der Verbraucher in die Unbedenklichkeit ihrer Lebensmittel.

Vor diesem Hintergrund dient das Urteil letztlich auch den Produzenten, so frustriert sie wegen der Luxemburger Richter momentan sein mögen. Denn das Verhältnis zwischen Kunden und Herstellern ist durch viele Manipulationen und Skandale in den letzten Jahren arg belastet worden. So etwas senkt die Konsumfreude und wirkt langfristig geschäftsschädigend. Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor beim hoch emotionalen Thema Gentechnik wäre da aus Herstellersicht kontraproduktiv gewesen.

Auch könnte er obendrein noch die Falschen treffen: seriöse Unternehmen, die ihre Produkte ehrlich und transparent anbieten. Diese wollen beim Kunden verständlicherweise nicht mit ausländischen Billiganbietern und „schwarzen Schafen“ der Branche verwechselt werden. Der EuGH leistet ihnen dabei erfreulicherweise Hilfestellung.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)